Renne: Der Mensch hat sich diese Plage allein geschaffen – die Natur lässt sich aber nicht billig regulieren

Tangemünderin will Waschbären kastrieren

Ellen Renne aus Tangermünde geht auf den AZ-Artikel vom 9. Februar „Landplage: Bären sollen in die Falle gehen – nimmersatter Allesfresser schläft in geplünderten Vogelnestern“ ein:.

Leserbrief

Wie ignorant muss man sein, wenn man sein altes Handlungsschema beibehält, obwohl es nachweislich nicht zielführend ist. 1992 wurden elf Waschbären, im Jahr 2000 247, 2011 wurden 12 090 und im vergangenen Jagdjahr 23 114 Waschbären in Sachsen-Anhalt getötet. Die meisten davon sehr qualvoll, denn Fallenjagd bedeutet oft nichts anderes, als das die Tiere ersäuft und erschlagen werden.

Die Zahlen bestätigen wissenschaftliche Erkenntnisse. Das Töten von Tieren ist kontraproduktiv hinsichtlich der Populationsreduzierung und damit nicht zielführend. Bejagte Tiere vermehren sich viel schneller, als nicht bejagte. Sie haben größere Würfe, bzw. werfen öfter.

Der Mensch hat sich diese Plage allein geschaffen. Erst wollte er aus den Tieren Profit schlagen und hat die Waschbären in kleine Käfige gesteckt. Durch Ausbrüche begann er die Kontrolle zu verlieren, und dann versucht er, das Problem ohne Sachverstand billig zu lösen. Die Natur lässt sich aber nicht billig regulieren. Der Waschbär gehört genau so wenig in unsere Fauna wie die Hauskatze. Es gibt keine natürlichen Feinde.

Die Bejagung muss aufhören, die Tiere kastriert werden. So sind sie noch vorhanden, die Natur gleicht keinen Verlust aus durch mehr Würfe und das Tier kann sich nicht mehr vermehren.

Der Mensch hat durch sein falsches Handeln das Problem anwachsen lassen. Er darf jetzt aber nicht den Kopf in den Sand stecken und so weitermachen. Kastrationen sowie das Verbot des direkten und indirekten (z. B. Komposthaufen) füttern sind von Nöten, oder wohin will man die Waschbär-Zahlen und damit verbundene Tierquälerei noch treiben.

Man muss für seine Fehler einstehen, auch wenn es finanziell wehtut. Die Gelder sind vorhanden, allein ein Blick ins Schwarzbuch des Steuerzahlerbundes genügt. 1,5 Millionen Euro (Zirka-Kosten der Kastrationen) für einen respektvollen und sinnvollen Umgang, dass sollte es uns wert sein. Größe und Moral einer Gesellschaft kann man daran messen, wie sie ihre Tiere behandelt (M. Gandhi). Da kann ich nur sagen: Armes reiches Deutschland – und das nicht nur in Bezug auf den Umgang mit den Waschbären.

Leserbriefe geben die Meinung des unterzeichnenden Verfassers wieder.

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