AZ-Leser aus der Kreisstadt plädiert für neue Ausrichtung der Winckelmann-Institution

„In Stendal-Museum umwidmen“

Stendal. Zur Diskussion um explodierende Baukosten beim Umbau des Stendaler Winckelmann-Museums, die für Streit im Stendaler Stadtrat sorgen (AZ berichtete mehrfach), schlägt Volker Ritters aus Stendal eine neue Ausrichtung für die bekannte Institution mit Sitz an der Winckelmannstraße vor:

Ein Museum soll sammeln, bewahren, ordnen, vermitteln, erfreuen und aufklären. Ich habe den Eindruck, dass das Winckelmann-Museum seinen Namensgeber wie einen dominierenden monolithischen Block in den Raum stellt, ohne zum Beispiel auch seine ablehnende Haltung gegen den noch in Sachsen herrschenden Barock zu seiner Zeit mit zu zeigen, bzw. das Abgelehnte, die barocke Kultur der verborgen-geometrisch mitgeteilten humanistischen hermetischen Botschaften, zu erklären.

Leserbrief

Winckelmann ist mit seinen klassizistischen Idealen (einer edlen Einfalt und stillen Größe, die er am menschlichen Körper in Griechenland oder Georgien „sah“) in Stendal so präsent, dass die eigenen Qualitäten von Stendal und der Altmark, die gotischen Kirchen mit ihren in Grundrissen verborgen-geometrisch angelegten Wegen der Wandlung zum vollkommenen Menschen hin (zu seiner inneren Schönheit), wie auch die humanistischen Werte der Aufklärung gar nicht bearbeitet, erkannt und präsentiert werden.

Bevor nun noch ein Museum für die in der Altmark erkennbaren inneren Werte der gotischen, barocken und aufklärerischen (in der Freimauerei erkennbaren) Ideale gewünscht wird, mag doch überlegt werden, ob nicht das Winckelmann-Museum umgewidmet und umbenannt wird in ein „Stendal-Museum“ mit den versammelten inhaltlichen Bereichen: „Bauhütten-Geometrie der Gotik“, „Krumker Barock-Skulpturen“, „Winckelmanns Antiken-Begeisterung“, „Aufklärung in der Loge ,Goldene Krone’ zu Stendal“ und „Heutige Kunst der Altmark“ (mit Bildern aus der Altmark). Dabei geht es nicht um Kommoden, Zinnteller und geschnitzte Wappen, sondern um geometrische Aussage-Strukturen in den „geistigen Hintergründen“ der Kulturgüter.

Die Altmark ist eine reiche, zu vermittelnde und vor dem Vergessen zu bewahrende Kulturlandschaft. Die verborgen-geometrischen Strukturen in der Sprache der Kunst (Antike, Gotik, Renaissance, Barock, Aufklärung), die den inneren Menschen betreffen, sind erforscht und müssen nur abgerufen werden – zum Verständnis der eigenen Kultur.

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