„Stellen Sie sich vor ...“

Zur abgespeckten Tourismusförderung in Salzwedel schreibt die Hansestädterin Ingeborg Hoffmann:

Stellen Sie sich vor, Sie besuchen als Tourist unsere Hansestadt, nachdem die Sparmaßnahmen wirksam geworden sind. Nach einer langen Busfahrt steht eine Stadtführung auf dem Plan. Es ist Montag und in den meisten Gaststätten Ruhetag, aber die Besucher müssen mal dringend eine Toilette aufsuchen. Weit und breit kein Hinweis auf eine öffentliche Toilette. Ein früherer Tourist erinnert sich, dass es doch in Salzwedel mehrere öffentliche Toiletten gab, zum Beispiel am Rathausturmplatz, an der Mönchskirche, am Nicolaiplatz, am Danneil-Museum, sogar am früheren strohgedeckten Häuschen im Park. Alle wurden geschlossen oder abgerissen, auch die Toilette im Burggarten ist zu. Wohin mit der Notdurft?

Wollen die Gäste abends noch Bekannte besuchen, stolpern sie im Dunkeln ohne Taschenlampe auf den winzigen, schiefen Bürgersteigen der Jenny-Marx-Straße, rund um St. Lorenz.

Sie wundern sich, dass der zurückgekaufte Platz am Rathausturm immer noch schlimm aussieht, obwohl die Bevölkerung viele gute Vorschläge zur Gestaltung gemacht hat. Die Blechbude unweit des Neuperver Tores verschandelt schon lange das Stadtbild. Eigentlich war doch dahinter ein Parkhaus vorgesehen. Wollen Sie Lebensmittel kaufen – Fehlanzeige im Stadtzentrum.

Sehen Sie sich auch den Schandfleck, das ehemalige Pionierhaus, an. Unkraut wächst ringsherum, sogar aus dem Haus. Zerstörte Fenster geben ein unschönes Bild ab. Gehen Sie möglichst weit weg von diesem früher so schönen Haus, denn vom maroden Dach könnten Ihnen Dachziegel auf den Kopf fallen. Wollen Sie mit Ihren Kindern ins Freibad? Das wird schwierig, denn das Bad soll künftig nur zwei Monate geöffnet sein und dann unbeheizt.

Wie soll es weitergehen mit Kultur und Sport, wenn immer mehr Sportstätten schließen? Kinder und Jugendliche bleiben auf der Strecke. Das Vereinsleben in Salzwedel hat einen hohen Stellenwert. Sicher muss überall gespart werden, aber Mehrgenerationenhaus und Hansest sind auch sehr wichtig, weil sich dort Alt und Jung zusammenfinden, ausländische Mitbürger neue Freunde finden und das Gemeinschaftsgefühl gestärkt wird ...

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