Bauernverband stellt klar: „Ohne Landwirtschaft ist Insektenleben oft gar nicht möglich“

„Ständig in Kontakt mit der Natur“

Seit 1982 hat sich, so warnte kürzlich das Bundesumweltministerium, der Bestand an Insekten drastisch (um bis zu 80 Prozent) verringert.

Kerstin Ramminger reagiert als Geschäftsführerin des Kreisbauernverbands Stendal auf den AZ-Artikel „Sorge: Insektensterben“ von Montag, 31. Juli (Seite 1):.

Leserbrief

Insekten werden seltener – und nur die Landwirtschaft ist schuld? So einfach kann man sich das wohl nicht machen, hier müssen mehrere Faktoren betrachtet werden und vor allem fehlen ausreichende Studien für diese Behauptungen. Wer hat wo ein Insektenmonitoring durchgeführt, wäre spannend zu erfahren.

Ohne die Landwirtschaft und die Landwirte, die ständig im Kontakt mit der Natur stehen und vielen Insekten Lebensräume schaffen, ist ein Insektenleben oft gar nicht möglich. Betrachten wir aber die anderen möglichen Bedingungen, bei denen Insekten keine positiven Lebensbedingungen vorfinden. Da sind zum einen unsere Großstädte mit viel Asphalt, vielen Abgasen und wenigem blühenden Potenzial, das sich meist auf die Baumblüte beschränkt oder auf Parkanlagen mit hohem Rasenanteilen und wenigen Stauden. Sehr schlechte Lebensräume für Insekten.

Das Frühjahr 2017 war sehr kalt, verregnet und unbeständig, kein gutes Aufwuchsklima für viele Arten von Insekten. Dazu kam der späte Frost, der einigen Insekten sicher das Leben gekostet hat.

Auch die Imker klagen über Krankheiten. Die Varroamilbe ist kein Resultat von Pflanzenschutzmitteln, sondern eher eines der unregelmäßigen Kontrolle des Bestandes. Das Bienensterben durch die Varroamilbe ist weltweit enorm hoch. Schaut man sich in unseren Vorgärten und Gärten um, vollzog sich auch hier ein enormer Wandel. Wo früher noch allerlei Arten von Obst und Gemüse angebaut wurde, findet man heutzutage schön geschnittene Koniferen, dunkelgrünen Rasen und betonierte Flächen. Ein Großteil der Gärten wird nach Pflegeanspruch angelegt und nicht nach Insektenansprüchen. Natürlich kann ein Insekt schlecht mit Pflanzenschutzmitteln umgehen, dass liegt in der Natur der Dinge. Aber es gibt Möglichkeiten der Kommunikation untereinander, die genutzt werden sollten.

Leserbriefe geben die Meinung des unterzeichnenden Verfassers wieder, mit der sich die Redaktion nicht immer identifiziert. Anonyme Briefe werden nicht veröffentlicht.

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