AZ-Leserbrief

„Stadtrat for Future!“

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(Symbolbild)

Peter Matzke bezieht sich auf den AZ-Artikel vom 28. September „Genervte Anwohner in Salzwedel leiden . . . “:

Aktuell erklärt ein Verkehrsexperte der Polizei dem Stadtrat die Absicht der Planer der Braunschweiger Straße, dass Radfahrer auf einer Einfallstraße fahren sollen, um den Verkehr zu bremsen und zu beruhigen.

Sollte er tatsächlich diese Meinung für sich übernehmen, hätte er sich als Experte selbst disqualifiziert. Der ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club, Anm. d. Red.) Sachsen-Anhalt wird in Kürze diese Argumentation bewerten – das dürfte keine Werbung für den Fahrradtourismus in Salzwedel sein. Auch wenn der Ausschussvorsitzende Lothar Heiser die prekäre Lage kennt und angeblich auch nichts machen kann – wäre es politisch gewollt, stünden folgende Maßnahmen sofort zur Verfügung:

1. Geschwindigkeitsbegrenzung: In der VwV-StVO (die Verwaltungsvorschrift zur Straßenverkehrsordnung) wird die Verkehrssicherheit als grundlegendes Planungsprinzip besonders hervorgehoben. Die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer geht vor der Flüssigkeit des Verkehrs (zu §§ 39 bis 43, Absatz 5, Satz 2). Dies bedeutet, dass bei der Planung von Verkehrsflächen alle Verkehrsteilnehmer, die den Verkehrsweg benutzen dürfen, gleichberechtigt zu sichern sind. Maßgebend ist die Sicherheit der schwächsten Verkehrsteilnehmer (Fußgänger und Radfahrer). Die Sicherheit für den Radverkehr ist bis zu einer zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h gewährleistet. Die Gefahr von schweren Unfällen sinkt mit Abnahme der Geschwindigkeitsdifferenz um ein Vielfaches.

2. Fahrrad-Schutzstreifen – auch auf schmalen Fahrbahnen: Die Option „beidseitiger Schutzstreifen mit schmaler Kernfahrbahn“ ist als Lösung einzusetzen, wenn alle anderen Möglichkeiten durch Flächenumwidmungen oder reduzierter zulässiger Höchstgeschwindigkeit (30 km/h) nicht umsetzbar sind. Der Sicherheitsgewinn für Fahrradfahrer ist durch ein Gutachten nachgewiesen, welches kostenlos eingesehen werden kann: https://nationaler-radverkehrsplan.de/de/aktuell/nachrichten/mehr-schutzstreifen-weniger-unfaelle-auch-auf.

3. Anordnung von verkehrslenkenden Maßnahmen nach § 45 Abs.1 StVO durch die Straßenverkehrsbehörde: Verbot des Lkw-Durchgangsverkehrs aus Gründen der Sicherheit und Ordnung ist erforderlich, damit der Lkw-Verkehr wieder die für ihn vorgesehenen Bundesstraßen mit Mautpflicht benutzt.

Der Stadtrat hat seinen Kredit bei den alteingesessenen Bewohnern schon längst verspielt – zeigen Sie es wenigstens der Jugend, dass die Entscheidungsträger die viel beschworene ökologische Verkehrswende durch ein vorwärts gerichtetes Denken ernst nehmen. „Stadtrat for Future!“

Peter Matzke, Salzwedel

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Leserbriefe geben die Meinung des unterzeichnenden Verfassers wieder. Anonyme Schreiben werden nicht veröffentlicht. Die Redaktion behält sich Kürzungen vor.

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