Betreuungszeit: Neues Gesetz, neuer Ärger

Wer soll sich um die Kinder kümmern?

Claudia Kämpfer aus Pretzier bezieht sich auf den AZ-Artikel vom 25. Juli „Schnelle Lösung statt heißer Brei“ und macht ihrem Ärger in Sachen Betreuungszeiten Luft:.

Leserbrief

Da erfährt man mal eben aus der Zeitung, dass der Ganztagsanspruch von zehn Stunden auf acht Stunden reduziert werden soll. Dem Haupt- und Kita-Betriebsausschuss war nicht bekannt, wie hoch der Bedarf an einer Zehn-Stunden-Betreuung ist. Die Eigenbetriebsleiterin will das erst noch ermitteln. Wir sind als Eltern schon vor Wochen in der Kita Pretzier (zugehörig zum Eigenbetrieb) befragt worden, ob wir weiterhin eine Zehn-Stunden-Betreuung benötigen und mussten dafür sogar unterschreiben. Wir benötigen eine zehnstündige Betreuung: Wir sind beide berufstätig und haben unsere Arbeit auch nicht im Ort. Oma und Opa wohnen auch nicht gleich um die Ecke und können jeden Tag den Hol- und Bringedienst erledigen.

In anderen Kitas des Eigenbetriebes wurde die Bedarfsabfrage ebenso durchgeführt, wie wir von Bekannten wissen. Wie kann es da sein, dass der Bedarf nicht feststeht?

Berufstätige sollen 15 Euro je weitere angefangene Stunde bezahlen, das würde den Lohnkosten einer Erzieherstunde entsprechen. Bei zum Beispiel zehn betreuten Kindern würde man dann eben mal 150 Euro für eine Stunde pro Tag zusätzlich einnehmen? Damit würden ja diejenigen, die Stunden dazukaufen müssen, die niedrigen Grundgebühren für alle mitfinanzieren.

Wenn man wie bisher eine Zehn-Stunden-Betreuung wünscht, dürfte man im Monat etwa 600 Euro mehr bezahlen. Dafür braucht man dann nicht mehr Vollzeit zu arbeiten. Aber gerade die Möglichkeit, dass Eltern arbeiten können, muss doch gefördert werden. Die Sozialabgaben und die Einkommenssteuer kommen doch allen zu Gute und dienen dem Erhalt des Sozialstaatsprinzips. Bei diesen Mehrkosten ist das nicht mehr möglich.

Aber wie kurzfristig bekommt man denn einen bestehenden Arbeitsvertrag geändert, und wann soll man denn zu arbeiten anfangen und aufhören können, wenn die Kita-Öffnungszeiten von 8 bis 16 Uhr sind?

Die jetzigen Öffnungszeiten bis 17 Uhr sind schon schwer einzuhalten und die Schließzeiten im Sommer von drei Wochen eine Zumutung. Wir haben keinen Anspruch auf einen Ausweichplatz (weil wir im Sommer Urlaub nehmen können bzw. ein Elternteil – da ist es laut Satzung egal, ob die ganze Familie gemeinsam die Ferien verbringen kann oder nur ein Elternteil drei Wochen aufpasst), müssen aber die volle und gleiche Kita-Gebühr bezahlen wie Eltern, die den Ausweichkindergarten in Anspruch nehmen. Das verstößt eindeutig gegen den Gleichheitssgrundsatz.

In anderen Gemeinden hat zumindest jeder einen Anspruch auf den Ausweichplatz bzw. diejenigen, die ihn in Anspruch nehmen, müssen mehr bezahlen. Es kann nicht sein, dass berufstätige Eltern die Leidtragenden des Ganztagsanpruches für alle sind.

Leserbriefe geben immer die Meinung des Verfassers wieder. Anonyme Schreiben werden nicht veröffentlicht.

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