AZ-Leserbrief

„Sind wir bald das ,Land der Sitzenbleiber‘?“

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(Symbolbild).

Angelika Scholz aus Diesdorf äußert sich im Namen der Kreistagsfraktion der Linken über den Lehrermangel an den Schulen:

Die Kreistagsfraktion der Linken ist empört über die jährlich sich verschärfenden Probleme bei der Besetzung der Lehrerstellen, insbesondere in der Sekundarschule in Dähre, aber auch in einer Vielzahl weiterer Schulen im Landkreis.

Auch wenn der Kreis nicht verantwortlich ist für die Personalbesetzung, so haben wir doch eine Mitverantwortung für die Bildung unserer Kinder. Mit Quereinsteigern, oftmals ohne jede pädagogische Erfahrung, ist das Problem doch nicht zu lösen.

Einige Vorschläge gibt es schon im Bildungsausschuss: Zum Beispiel teilte ein Mitglied des Seniorenbeirates mit, dass es pensionierte Lehrer gibt, die bereit wären einzuspringen. Hier muss es vom Land schnelle Entscheidungen geben.

Auch könnte vom Kreis mit der PVGS eine Lösung gesucht werden, um wenigstens an zwei Tagen in der Woche die nicht beschulten Kinder und Jugendlichen eher nach Hause zu bringen.

Knackpunkt für uns ist aber in jedem Fall, wie es gelingt, den Bildungsverlust für unsere Schüler zu minimieren, zumal die Unterbesetzung von Schulen durchaus keine neue Erfahrung im Land darstellt und mit einer „Lehrerschwemme“ kaum zu rechnen ist. Aus vorliegenden Studien ist zu erfahren, dass die geplanten Zahlen auszubildender Lehrer zu gering für die absehbaren Schülerzahlen sein werden.

Außerdem kann in der Personalabteilung des Kultusministeriums konkret festgestellt werden, wie viele Kolleginnen und Kollegen in den nächsten Jahren ausscheiden. Die „schwarze Null“ einhalten ist die eine Sache, aber sowohl an den Schulen als auch in vielen anderen Bereichen zu wenig Personal vorzuhalten, ist eine ganz konkrete Auswirkung dieser Sparerei. Dazu kommt, dass durch die Mehrbelastung und den weiter zunehmenden Stress die Krankenzahlen kaum fallen werden. Schlafen wir weiter den Dornröschenschlaf? Sind wir auf dem Weg ins Land der Analphabeten?

Wir lösen dieses Problem nicht, indem wir es ignorieren und nicht darüber reden. Um dieses und andere Probleme einer Lösung zuzuführen, muss endlich mehr Geld für die Bildung eingeplant und ausgegeben werden. Wenn wir weiter „aussitzen“, sind wir bald das „Land der Sitzenbleiber“.

Ein Vorschlag wäre, dass ehemalige Kollegen, die in Leitungsgremien sitzen (Landesinstitut für Schulqualität und Lehrerbildung Sachsen-Anhalt, Ministerien, Landesverwaltungsamt ...) wieder ihren Dienst an Schulen aufnehmen. Wir fordern den Landrat auf, einen „Runden Tisch Bildung“ zu schaffen, der Vertreter von Landratsamt und Schulen sowie Kreistagsabgeordnete umfasst.

Angelika Scholz, Diesdorf

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Leserbriefe geben die Meinung des unterzeichnenden Verfassers wieder, mit der sich die Redaktion nicht immer identifiziert. Anonyme Briefe werden nicht veröffentlicht. Die Redaktion behält sich Kürzungen vor.

 

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