Leserbrief

„Sie erhalten das Kulturgut“

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Für Kerstin Ramminger gehören Weidetiere zur Lebensgrundlage der Menschen in der Region. Wolfsangriffe seien diesbezüglich nicht „als Märchen abzutun“.

Stendal. Zu der aktuellen Debatte um die potenzielle Gefährdung des Menschen durch den Wolf sowie zu dem Leserbrief „Keine Gefahr für uns“ (AZ, 22. Februar) meldet sich Kerstin Ramminger, Geschäftsführerin des Kreisbauernverbandes Stendal, zu Wort:

Das Aneinanderreihen von Schlagworten in diesem Leserbrief ist nicht zu ertragen. Für Menschen, die in nicht so stark besiedelten Gebieten in diesem Landkreis leben und mehrfach Kontakte mit Wölfen aufweisen können, ist dies ein Schlag ins Gesicht. Denn sehr wohl verändert der Wolf die Lebensqualität in diesen Gemeinden.

Der Mensch gehört nicht zum Beutetier des Wolfes, so Ihre Aussage. Der Diplom-Biologe Prof. Dr. Hans-Dieter Pfannenstiel schreibt dazu: ‘Mit steigender Wolfszahl werden Mensch-Wolf-Begegnungen zunehmen. Niemand kann ausschließen, dass unter Umständen auch Menschen vom Wolf angegriffen werden. Bleiben Annäherungen des Wolfs an den Menschen dauerhaft ohne Konsequenzen für die betreffenden Wölfe, ist mit solchen An- und Übergriffen verstärkt zu rechnen.’ Es ist verantwortungslos, gut dokumentierte Übergriffe und Angriffe des Wolfes auf den Menschen auch in jüngster Vergangenheit als übertrieben oder gar als Märchen abzutun.

Schafe und Kälber sind Weidetiere, die unsere Kulturlandschaft vor dem Verbuschen bewahren und Grünflächen für viele Insekten, Vögel und Kleinlebewesen erhalten. Vor allem für die Deichpflege sind Schafe von hohem Nutzen, durch ihre Tritte verdichten sie den Deich, erhalten und schaffen eine hohe Stabilität.

Daraus folgt, dass diese Tiere nicht einfach in den Lebensraum Wolf gestellt worden sind, um sich fressen zu lassen, sondern sie erhalten das Kulturgut Weidelandschaft. Weidehalter sind für das Wohl ihrer Tiere verantwortlich und dies tun sie auch.

90 Zentimeter hohe Zäune, das Freihalten von Bewachsung der unteren stromführenden Litze mehrmals im Jahr, Ausbildung und Pflege von Herdenschutzhunden und vor allem mehrfache abendliche Kontrollen der Weiden sind mittlerweile Usus, um die Herden zu schützen. Das nenne ich hinreichenden Schutz für die Tiere, den übrigens niemand bezahlt. Der Kostenfaktor für die Weidehaltung ist immens gestiegen, erstattet werden nur die Risse, die auch klar als solche erkannt wurden.

Auf die Aussage zur “Massentierhaltung“ möchte ich nicht schon wieder eingehen. Nur so viel, der Anblick eines vom Wolf gerissenen Tieres, geht den Weidehaltern an die Nieren. Oft müssen halbtote Tiere getötet werden, um sie von ihrem Leid zu erlösen. Der Wolf holt sich nicht ein Schaf, sondern viele in einer Nacht, wie im Blutrausch (14 Stück in Sandbeiendorf). Diese Tiere sind die Lebensgrundlage der Menschen.

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