Berlinerin macht Salzwedel ein Workshop- und Ausstellungsangebot

Seit 27 Jahren unterwegs, um Nazi-Schmierereien aufzuspüren

Irmela Mensah-Schramm aus Berlin zur Wochenkolumne „Wer ist ,die Stadt´ überhaupt?“, AZ vom 12. Oktober, bezugnehmend auf den Leserbrief „Echo bis nach Berlin“, AZ vom 10. Oktober:.

Leserbrief

Über das Echo auf meinen Leserbrief bin ich sehr erstaunt. Dennoch würde ich aber sagen, dass meine Aktionen gegen die bundesweiten Hassgraffitis nie ein Hobby waren, sondern ich sehe mich als Teil dieser Gesellschaft, ganz nach meinem Leitsatz: Wir sind dafür verantwortlich, was wir widerspruchslos hinnehmen! – Wer schweigt, stimmt zu!

Gleich vorneweg: Es geht mir nicht darum, irgendwelche Orte (Städte) an den Pranger zu stellen. Seit über 27 Jahren bin ich bundesweit unterwegs, um NS-Schmierereien aufzuspüren und nach Möglichkeit zu beseitigen. Nur diesmal musste ich in Salzwedel passen, denn ich konnte leider wenig ausrichten, das heißt, nur einige der kleineren Schmierereien und Aufkleber sowie Plakate entfernen.

Zu der Frage, „Wer ist die Stadt?“ und „Wer ist verantwortlich?“ würde ich sagen: Wir alle! Nur erlebe ich es immer wieder, dass mir einerseits, sogar polizeilich, untersagt wird, diese Hassbotschaften und auch unter Verbot stehende Symbole zu beseitigen, das heißt auch gegebenenfalls zu übermalen. Aber damit ist nicht sichergestellt, dass dann diese Sachen durch öffentliche Hand verschwinden.

Man sollte bitte aber nicht den Fehler machen, linke Graffitis mit denen der Rechten gleichzusetzen. Da ist ein großer Unterschied, wenngleich sich sicher so mancher an Graffitis generell stört.

Vor mehreren Jahren entdeckte ich am Bahnhof von Gardelegen den unerträglichen Schriftzug „Ausländer in die Gaskammer“, den ich sogleich erfolgreich wegputzen konnte.

Dieses Hassgraffito wurde als Vorlage in meinen Workshopprojekten von Schülern sehr kreativ auf friedliche Weise entfremdet. Was für mich fast ungewöhnlich ist: Die Oberbürgermeisterin hat positiv auf mein Ausstellungs- und Workshopangebot geantwortet.

Vor zwei Tagen beseitigte ich allein 231 Naziaufkleber in Fürstenwalde und somit insgesamt den 60 109. in allein nicht einmal acht Jahren.

Das Naziproblem ist ein bundesweites Problem, das uns alle angeht. Es stellt sich aber die Frage, wie wir damit umgehen!

Leserbriefe geben die Meinung des Verfassers wieder. Anonyme Briefe werden nicht veröffentlicht. Kürzungen behält sich die Redaktion vor.

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