Leserbrief – Ex-Sportvorstand des 1. FC Lok Stendal, Dr. Ralf Troeger, äußert sich zu seinem Rücktritt

„Schurkenstück um Geld und Eitelkeit“

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Transparente mit „Tröger raus!“-Aufforderungen sorgten für den Rücktritt. Nun meldet er sich zu Wort.

Stendal. Auf Transparenten hatten Anhänger seinen Rücktritt gefordert. Auch in Gesängen während der Oberliga-Partie gegen Greifswald bekundeten sie ihren Unmut. Der Betroffene selbst hat lange geschwiegen. In einem Leserbrief meldet sich Dr.

Ralf Troeger, Ex-Sportvorstand des 1. FC Lok Stendal, nun zu Wort:.

Leserbrief

„Zu den Motiven meines Rücktritts als Sportvorstand des 1. FC Lok Stendals hat es öffentlich einige Spekulationen und Wertungen gegeben. Deshalb sehe ich mich veranlasst, Stellung zu nehmen.

Der Vorstand des 1. FC Lok Stendal hatte Trainer und Mannschaft für das zuletzt Erreichte, insbesondere den Einzug in den DFB-Pokal, freiwillig eine Prämie in Aussicht gestellt. Der Betrag sollte nach einem „Kassensturz“ nach dem Bielefeld Spiel genau bestimmt werden. Die Fälligkeit der Prämie sollte mangels Liquidität für freiwillige Leistungen bis zur Ausschüttung des „Pokalgeldes“ aufgeschoben sein. Es ist mitgeteilt worden, dass es noch Monate bis zur Zahlung an den Verein dauern könne. Trainer und Team ist weiter mitgeteilt worden, dass mit einem Betrag in Höhe von 350 bis 500 Euro netto pro Mann gerechnet werden könne. Dies wurde zur Kenntnis genommen.

In der ersten Sitzung mit dem neu gewählten Mannschaftsrat, am Montag vor dem Heimspiel gegen Greifswald, wurde mir als Vertreter des Vorstandes vom Mannschaftsrat eine Prämienforderung angetragen, die mit einem Betrag von 36.000 Euro netto weit über den - freiwilligen - Vorschlag des Vorstandes hinausging.

Als Sprecher des Vorstandes versuchte ich dem Mannschaftsrat zu erklären, dass das Pokalgeld nach der Auffassung des Vorstandes überwiegend für die weitere Entwicklung und die Infrastruktur des Vereins angelegt bzw. dienen sollte. So seien beispielsweise zur Aufrechterhaltung des Jugendspielbetriebes Gelder für die Kleinbusse nötig und die Umkleidemöglichkeiten am neuen Kunstrasenplatz herzustellen. Die Fehler der Vergangenheit, in der erwirtschaftete Gelder bis zur Insolvenz an Trainer und Spieler ausgereicht worden waren, sollte es nicht mehr geben. Ich sagte dem Mannschaftsrat aber ausdrücklich, dass ich die Forderung der Mannschaft selbstverständlich in die nächste Vorstandssitzung trage, weil die Entscheidung dem Vorstand als Gremium obliege.

Wenige Tage später stand das Heimspiel gegen Greifswald an. In der ersten Halbzeit des Spiels wurden zwei Transparente auf der Waldseite enthüllt. Als „Absender“ traten die Fans der Waldseite in Erscheinung.

Ein langjähriger Unterstützer des Vereins setzte sich neben mich und sagte, die Fans hätten auf seine Frage, was das solle, geantwortet: „Die Mannschaft will das.“

Es folgten die Gesänge, die zu meiner Entscheidung führten. Von dem Gespräch über die Prämien wussten Trainer, Mannschaft und Vorstand. In meiner Vorstellung hatte ich seit Jahren mit dem 1. Trainer und der Mannschaft nicht nur erfolgreich, sondern auch gut und vertraulich zusammengearbeitet. Dem Trainer war das Amt einst, begleitet von zum Teil hämischen Fanprotesten, anvertraut worden. Nicht wenige Spieler hatte ich schon als Jugendtrainer begleitet und in die 1. Männermannschaft geführt. Der Gesang war beleidigend und nicht etwa Gegenstand einer Meinungsäußerung. Vor allem aber führte er zu der Annahme, ich halte Trainern und/oder Team berechtigte Gelder vor. Der Inhalt der Gesänge und ihr zeitlicher Zusammenhang mit der Geldforderung für Mannschaft und Trainer sowie die Motivlage bedeuteten für mich hinreichende Anhaltspunkte für treuwidriges Verhalten durch Mannschaft und/oder Trainer und einen unwiederbringlichen Vertrauensverlust. Meine Freizeit wollte ich für Team und Trainer unter diesen Umständen nicht mehr zur Verfügung stellen.

Ich bat Herrn Prof. Dr. Nellessen deshalb um ein Vier-Augen-Gespräch und teilte mit, dass es mir unter diesen Umständen nicht mehr möglich sei, als Sportvorstand zu fungieren, dessen wesentliche Arbeit nunmal die mit den Trainern und Spielern der 1. Herrenmannschaft ist.

Ich habe den Verein seit 2004 als Jugendtrainer, seit 2006 als Jugendtrainer und Jugendleiter und seit 2015 als Sportvorstand ehrenamtlich begleitet und geführt. Der Verein sollte nachhaltig Schritt für Schritt wieder aufgebaut werden. Gegenwind habe ich in der Vergangenheit häufig genug verspüren dürfen. Nicht selten habe ich mich dabei für andere in den Wind gestellt. Dieses Schurkenstück um Geld und Eitelkeit in der Fan-Szene bestens vernetzter Akteure reicht mir aber als mein persönlicher Höhepunkt der vereinsinternen Intrigen.“

Dr. Ralf Troeger

Stendal

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