Im Regen stehen gelassen

Roger Behn aus Höddelsen kann die Kritik an der Deutschen Regionaleisenbahn bezüglich des seit langem maroden Sienauer Bahnübergangs nicht nachvollziehen:

Die Schuldzuweisung an die Deutsche Regionaleisenbahn (DRE) wegen der Lärmbelästung durch den maroden Bahnübergang in Sienau ist meines Erachtens doch ziemlich ungerecht und verkennt die eigentlichen Ursachen. Deutschland liegt bei den Pro-Kopf-Investitionen in die Schiene in Europa am Tabellenende, noch hinter Italien (60 Euro / Jahr / Person)  und Spanien (84 Euro). Werden in der Schweiz  284 Euro oder in Österreich 205 Euro für die Schiene ausgegeben, sind es hierzulande gerade einmal 47 Euro. Statt dessen wird die Straße weiterhin zu Lasten der Bahn subventioniert.

Für die Nutzung der Schiene müssen Eisenbahnverkehrsunternehmen eine nicht unbeträchtliche Maut (Trassengebühr, Haltepunktgebühr usw.) für jeden gefahreren Kilometer, für jeden Bahnhof, in dem gehalten wird, entrichten, egal ob auf einer Neben- oder Hauptstrecke. Auf der Straße hingegen wird bisher nur der Lastverkehr auf Autobahnen zur Kasse gebeten.

Des Weiteren erwartet man bei Straßenschäden eine Reparatur durch den Staat. Handelt es sich aber um Schienenstränge, soll oftmals die Besitzerin dafür aufkommen.

Die DRE ist vor Jahren von Bahnkunden gegründet worden, um auch dem ländlichen Raum einen  Eisenbahnanschluß zu bieten. Sie versucht Lücken zu schließen, die durch die Untätigkeit der Politik entstanden sind. Statt über die DRE zu schimpfen, sollte man vielleicht einmal darüber nachdenken, warum man diese Strecke so verkommen lassen hat, mit dem Ergebnis der Stillegung. Nach meinem Kenntnisstand würde die DRE die Strecke Geestgottberg-Salzwedel-Klötze gerne wieder reaktivieren.  Unternehmen wie Jackon oder Glunz fordern einen Anschluß, aber die meisten altmärkischen Politiker scheinen sich im Duett mit der Industrie- und Handelskammer eher als Sprachrohr des Speditionsgewerbes zu betätigen denn als Förderer eines umweltfreundlicheren Verkehrsmittels.

Wenn wir Eisenbahnunternehmen weiterhin so im Regen stehen lassen, bestenfalls ICE-Strecken unterstützen, wenn Deutschland weiter am Tabellenende der Eisenbahninvestitionen spielen möchte, werden wir den Verkehr niemals nennenswert von der Straße auf die Schiene oder den Binnenwasserweg verlagern können. Das Resultat ist unter anderem. eine unerträglich hohe Anzahl von LKW auf unseren Straßen mit dem entsprechenden Lärm und CO2-Ausstoß, was nebenbei auch noch das Klima anheizt.

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