Leser aus Bonese argumentiert gegen die Aktion Fleischfasten

„Ölfasten statt Rohkost“

Dr. Rudolf Krause aus Bonese äußert sich zu dem Artikel „Fleischfasten spart CO2“, der am 23. März in der Altmark-Zeitung zu lesen war.

In diesem wurde über die Aktion des Pestel-Instituts Hannover informiert, bei dem vorgerechnet wird, wieviel klimaschädliches Kohlendioxid der Verzicht auf Fleisch in der Fastenzeit einsparen würde.

Leserbrief

„Es wird behauptet, durch die körpereigene Verbrennung pflanzlicher Nahrung würde im Stoffwechsel des Menschen weniger Kohlendioxid (CO2) freigesetzt, als durch die energetische Verwertung fleischhaltiger Nahrung. Konkret wird behauptet, die CO2-Freisetzung würde in einer Woche statt 794 Tonnen CO2 nur 312 Tonnen betragen, bezogen auf 25 983 fastende Christenmenschen in der Altmark. Eine Aussage darüber wird nicht getroffen, ob die ernährungsphysiologische Voraussetzung für eine solche Senkung des Grund- und Leistungsumsatzes durch Einschränkung der Nahrungsaufnahme (also durch eine Hungerkur) oder gar durch eine Mobilisierung der körpereigenen Fettreserven verursacht werden soll. Die naturwissenschaftlichen Grundlagen zur Prüfung dieser Behauptung, bei pflanzlicher Nahrung würde weniger Kohlendioxid freigesetzt als bei tierischen Nahrungsmitteln, sind folgende: Die Angabe der Bruttoenergie je Gewichteinheit sagt nichts über die Verdaulichkeit dieser Nahrungsmittel aus, also über den Anteil der Energie, der durch die Darmwand hindurch dem Stoffwechsel des Körpers tatsächlich zur Verfügung gestellt wird. Wie jeder Tierpfleger in der Altmark spätestens in der Berufsschule bis 1991 gelernt hat, wird durch die bakterielle Verdauung in den Vormägen der Wiederkäuer, aber ebenso bei Mensch, Schwein, Pferd oder Kaninchen in Dick- und Blinddarm ein Teil dieser Bruttoenergie schon im Stoffwechsel verbraucht und zu CO2 umgewandelt. Nur dann, wenn durch pflanzliche und tierische Fette oder durch den Abbau des körpereigenen Fettes Energie gewonnen wird, wäre der Ausstoß von Kohlendioxid gegenüber dem von „Wasserstoffmonooxid“ vermindert. „Ölfasten“, also Nüsse, Margarine und viel Salatöl in der Karwoche statt Rohkost oder fettarmem Salat?!

Je größer der Anteil pflanzlicher, insbesondere rohfaserreicher Nahrung, umso mehr klaffen Bruttoenergie und verdauliche Energie auseinander. Diese Energiedifferenz beruht auf der Tatsache, dass die Mikroorganismen im Verdauungstrakt schon Energie verbrauchen und dadurch neben Wassermolekülen, Stickstoff und Schwefel auch zusätzlich CO2 freisetzen. Je gesünder die Nahrungszusammensetzung durch einen hohen Rohfaseranteil ist, umso größer ist gleichzeitig auch die Menge des freigesetzte CO2.

Ist diese im Slogan „Fleischfasten spart CO2“ offenbarte naturwissenschaftliche Unkenntnis wirklich nur flächendeckenden, akademischen Bildungslücken zuzuschreiben, oder stecken dahinter makaber-charmanter Witz und verständliche Rachsucht von arbeitsvertraglich befristeten und nicht verlängerten höherbegabten Nachwuchswissenschaftlern, die sich „Vom Weltmodell zu regionalen Modellen – vom regionalen Modell zu Fakten“ über die fachliche Beschränktheit ihrer vorgesetzten Diplom-Ökonomen, Diplom-Sozialwirten und Diplom-Geografen im Pestel-Institut öffentlich und medienwirksam lustig machen? “

Leserbriefe geben die Meinung des Verfassers wieder. Kürzungen vorbehalten.

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