Rademins Ortsbürgermeister zum AZ-Artikel Pro und Contra mit dem Thema Dorfgemeinschaftshäuser

„Nicht nur eine Feierstätte, sondern mehr“

Leserbrief.

Rademins Ortsbürgermeister Lutz Schermer sieht in der Kritik an Dorfgemeinschaftshäusern auch eine Ausgrenzung von sozial Schwachen. Er reagiert auf den AZ-Artikel „Pro und Contra“ vom 18. Mai:

„Mit anfänglich gespanntem Interesse las ich die Zeilen des genannten Beitrages, da auch unser Ortsteil von Arendsee (ehemals Gemeinde Rademin mit den Orten Ladekath und Ortwinkel von dieser Problematik berührt wird. Den Autoren der Pro- und Contra-Seite möchte ich auf den Weg geben, für den nächsten Beitrag solcher Art umfassender zu recherchieren. Der nebenstehende Artikel „Kostentreiber Energie“ sowie die Tabelle über die Kapazität der Häuser mögen richtig sein, reichen aber nicht aus, um ein allseitiges Bild der Situation und Verwendung der Dorfgemeinschaftshäuser zu zeigen.

In beiden Stellungnahmen ist nur von Feiern und Schwarzgastronomie die Rede. Aber was ist so schlimm daran, wenn eine Familie aus der unteren Einkommensgruppe in die Lage versetzt wird, z. B. einen runden Geburtstag würdig zu begehen. Auch diese Menschen würden es sich vielleicht gern leisten, den teureren Service einer gepflegten Gaststätte in Anspruch zu nehmen, was ihnen aus Kostengründen in dieser Gesellschaft einfach nicht möglich sein wird.

Aber dies alles ist, wie vorab schon angedeutet, nur die halbe Wahrheit. Tatsache ist aber, dass z. B. in Rademin 50 Prozent der Belegung des Dorfgemeinschaftshauses durch Nutzungsarten entstehen, die abzusichern Aufgabe der Kommune ist. Da sind Durchführungen von Wahlen, Ortschaftsratssitzungen, theoretische Ausbildungen der Feuerwehr, Versammlungen und Veranstaltungen von Vereinen und der Jagdgenossenschaft. Genannt werden muss auch die Nutzung der Sanitäranlagen und Sozialräume durch Gemeindearbeiter und Beschäftigte in Bürgerarbeit, der Freiwilligen Feuerwehr bei Ausbildung und Einsatz sowie das Büro des Ortsbürgermeisters. So die andere Seite der Medaille. Wenn man allerdings beabsichtigt, den letzten sozial Schwächeren auszugrenzen, den Wahrnehmern des Wahlrechts den Gang zur Wahlurne zu erschweren, alle Reste von gesellschaftlicher Aktivität auf dem Lande einzudämmen, der muss nur eines tun, die Dorfgemeinschaftshäuser schließen.

An die Adresse des Herrn Güssefeld sei gesagt, dass auch Vereine steuerpflichtig sind, so sie Gewinne einfahren, allerdings mit einer Freigrenze wie auch jeder andere Steuerpflichtige. Ist der Verein anerkannt gemeinnützig, so ist er steuerbefreit, allerdings nur, wenn kein wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb unterhalten wird.

Und noch eins, Herr Güssefeld: Die Dorfgemeinschaftshäuser sind in der Regel nicht durch „staatliche Inkonsequenz“, sondern in vielen Fällen zu einem guten Teil auch durch unentgeltliche Arbeit der Bürger entstanden. Wobei nicht unerwähnt bleiben darf, dass auch bedeutende Mittel aus EU, Bund und Land geflossen sind.

Ein wenig politischen Überblick sollte man diesen Gremien allerdings zutrauen, auch wenn ich hier zugegebenermaßen eher zur Kritik neige.

Im Übrigen überlege ich gerade, ob ich weiterhin gewillt sein werde, für derart journalistische Kostbarkeiten wie z. B. ,Tod der Gastronomie" weiterhin Geld auszugeben.“

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