Jens Reichardt aus Sanne greift Gießkannenprinzip in Sachen Gemeinschaftshäuser an

„Mittel gerechter verteilen“

Die Wogen schlagen hoch. Das Thema Dorfgemeinschaftshäuser hat auch unseren Leser Jens Reichardt aus Sanne zu einem Leserbrief veranlasst:.

Leserbrief

„Dass ein Pro und Contra über Sinn und Zweck von Dorfgemeinschaftshäusern die Wogen so hoch schlagen lässt, hätte ich nicht gedacht. In dieser Diskussion wird aber deutlich, dass Dorfgemeinschaftshäuser im Hinblick auf die Nutzung und das dörfliche Umfeld nicht differenziert betrachtet werden. Ein ehemaliger Lehrer von mir hätte es wohl so ausgedrückt: „Sie behandeln das Thema wie einen toten Hund!“.

Auch der Beschluss des Stadtrates, Dorfgemeinschaftshäuser mit einem pauschalen Zuschuss entsprechend der Einwohnerzahl des jeweiligen Ortsteils zu fördern, macht den Hund nicht wieder lebendig. Sicherlich muss jeder Ortsteil versuchen, Einnahmen zu erhöhen. Dies gilt vor allem für private Veranstaltungen, wo die Nutzungsgebühren kostendeckend sein müssen.

Dabei vermag ich die Kritik von Ortsbürgermeistern genauso zu verstehen, wie die der Gastronomen. Was aber in den Ortsteilen, in denen das Dorfgemeinschaftshaus auch Vereinshaus ist, Büro und Versammlungsstätte für ehrenamtliche Aktivitäten? Was mit Ortsteilen, in denen Alternativen wie Gaststätten schlichtweg fehlen? In Sanne und Kerkuhn ist das Dorfgemeinschaftshaus Vereinshaus, Büro, Versammlungsstätte und sogar ein kleines Gesundheitszentrum mit Arztsprechstunden und Physiotherapieangeboten.

Wenn ich aber nur einmal die ehrenamtlichen Angebote betrachte, dann ist unser Dorfgemeinschaftshaus Zentrum der Jugend-, Frauen-, Senioren- und Kirchenarbeit, sowie Schauplatz von Veranstaltungen der Kultur- und Heimatpflege (z.B.: Oster- und Oktoberfeuer, Dorffest, Weihnachtsmarkt). Alle diese Angebote, werden auch von Einwohnern benachbarter Ortsteile und sogar anderer Gemeinden genutzt. Allein durch Sport- und Reitverein bieten wir mit Dorfgemeinschaftshaus, in Zusammenhang mit Sport- und Reitplatz, vor allem Jugendlichen eine Wirkungsstätte zur sinnvollen Freizeitgestaltung. Nicht wenige von ihnen kommen aus benachbarten Ortsteilen und sind gern bei uns gesehen, wie auch auswärtige Besucher des Weihnachtsmarktes oder anderer Veranstaltungen. Jedoch gehen ihre, vom Stadtrat bewilligten Pro-Kopf-Zuschüsse, in andere Ortsteile, dienen dort der Erhaltung von Dorfgemeinschaftshäusern, die in Nutzung und Ausstattung nicht mit dem unseren vergleichbar sind, decken in einigen Orten sogar spielend das Defizit. Dann zeigen aber politisch Verantwortliche und Verwaltung auf uns als „Defizitsünder“. Das alles, weil die Interessen unserer Vereine, der Jugendlichen, Frauen und Senioren aus Sanne, Kerkuhn und auch, wie festgestellt, den umliegenden Orten, im Stadtrat nicht vertreten sind. Scheinbar ist es wichtiger, überall ein Dorfgemeinschaftshaus zu erhalten, als das dörfliche Leben.

Sollte aber nicht gerade das dörfliche Leben erhalten und gefördert werden? Dass in Zeiten knapper Kassen niemand auf großzügige Finanzierung aus dem Stadtsäckel hoffen kann, ist klar. Aber die knappen Mittel, die es noch gibt, müssen gerechter verteilt werden! Und vor Ort müssen wir uns über Kostensenkungen und Einnahmeerhöhungen unterhalten. Wir werden unseren Beitrag leisten, mögen nun auch Stadtrat und Verwaltung ihren Teil dazu beitragen.“

Leserbrief geben die Meinung des Verfasser wieder. Sie müssen mit vollem Namen und gültiger Adresse unterzeichnet sein. Die Redaktion behält sich Kürzungen vor. Anonyme Leserbriefe werden nicht veröffentlicht. Die Leserbriefe sollten die Länge einer DIN-A-Seite nicht überschreiten.

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