Leserbrief

Mitarbeiter in Angst

Marion Schulz aus Kemnitz hat Angst um ihren Arbeitsplatz und den ihrer Kollegen, falls der Stadtrat das Seniorenzentrum Vita verkauft:

Ich arbeite seit fast 24 Jahren in der Seniorenzentrum Vita gGmbH. Mit meiner Aufnahme der Arbeit in der Vita habe ich nach der Wende eine neue Chance erhalten, meine berufliche Karriere fortzusetzen. Die Arbeit hat mir in all den Jahren sehr viel Spaß gemacht, und wir alle haben erlebt, wie die Seniorenzentrum Vita gGmbH gewachsen ist und modernisiert wurde. Die Pflege der Heimbewohner in einer höchstmöglichen Qualität steht bei allen Mitarbeitern an erster Stelle. Dass das Seniorenzentrum heute wirtschaftlich gut dasteht, ist der Verdienst der Geschäftsführerin und aller Beschäftigten.

Die Hansestadt Salzwedel ist einhundertprozentige Gesellschafterin der Seniorenzentrum Vita gGmbH. Es mussten durch die Stadt zu keiner Zeit in den vergangenen Jahren irgendwelche Verluste – wie in manch anderen Eigenbetrieben der Stadt – ausgeglichen werden. Die Vita gGmbH stand immer auf soliden Füßen. Auch von der Vita wurde im ersten Liquiditätskonzept bereits Eigenkapital abgezogen, um die Finanzen der Stadt zu sanieren.

Die Seniorenzentrum Vita gGmbH soll im Bieterverfahren verkauft werden. Das Land hat laut Vize-Bürgermeister Olaf Meining mit Auflagen zugestimmt. Hier stellt sich für mich folgendes Szenario dar: Die Vita wird von einem Unternehmen gekauft, das über eine eigene Infrastruktur und einen eigenen Tarifvertrag verfügt. Das heißt für die Mitarbeiter – die Pflege bleibt erhalten.

Alle anderen Gruppen, die indirekt zur Pflege stehen, wie Küche, Hauswirtschaft, Haustechnik und Verwaltung sind dann überflüssig. Es stehen 30 Arbeitsplätze im Raum, die abgewickelt werden. Übernimmt dann die Stadt Salzwedel die Mitarbeiter, die beim Verkauf an einen Investor ihre Arbeitsplätze verlieren? Wie beim KulTour-Eigenbetrieb, dessen Mitarbeiter in die Stadtverwaltung übernommen wurden?

Das Unternehmen, das die Vita kauft, will in erster Linie ganz schnell den Kaufpreis regenerieren, und das geht am schnellsten über Einsparungen beim Personal. Bei einem eigenen Tarifvertrag beim kaufenden Unternehmen kann der Betriebsübergang noch andere Auswirkungen haben, wie zum Beispiel keine Anerkennung der Berufsjahre, sodass im Fall der Kündigung auch noch die Sozialpläne entsprechend geschrieben werden können.

Die Stadt Salzwedel, einschließlich aller gewählten Stadträte, hat hier die Verantwortung, die Arbeitsplätze in der Vita zu sichern. Der Verkauf wird hochgeredet, um eine Zwangsverwaltung zu vermeiden. Große Unternehmen gehen auch in Insolvenz, werden zwangsverwaltet. Warum nicht auch Kommunen, die nicht wirtschaften können?

Die Vita wird geopfert für Fehler der Stadt Salzwedel in der Vergangenheit: Verkauf der Stadtwerke und auch der Ausbau des Kulturhauses und Finanzierung des Kunsthauses. Und es ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein, es wird im Moment die Liquidität eventuell hergestellt – was kommt danach? Ich habe noch nicht gehört, dass eine Kommune pleite geht und alle Mitarbeiter der Verwaltung entlassen werden.

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