Christiane Rentmeister zum Gedenken an Jenny Marx in Salzwedel

„Es hat mich maßlos enttäuscht“

Christiane Rentmeister aus Königswusterhausen schildert ihre Enttäuschung über die Würdigung von Jenny Marx in Salzwedel:.

Leserbrief

Mehr oder weniger durch Zufall habe ich mir vor zwei Jahren in Trier das Karl-Marx-Haus angeschaut. Ich war begeistert, welches umfangreiche Bild anhand von Dokumenten, Berichten und Zeitzeugen ich über die Familie Marx, also nicht nur über Karl, gewonnen habe und sich mir auch eingeprägt hat. Verwundert war ich zuerst auch über das internationale Interesse. Junge Leute aus Japan, China und Nordeuropa ließen sich sehr viel Zeit in diesem Museum. Aber es ist wohl klar, dass die kühne Gedankenwelt eines Marx nicht ein altertümliches Relikt ist, sondern das Nachdenken darüber mehr denn je in die jetzige Zeit gehört. In diesem Haus empfand ich es auch als Schmach, dass die Deutschen auf Plätzen und in Straßen den Namen Karl Marx oft getilgt haben. Müsste man nicht diese Namen erhalten haben und sich eher schämen, was aus seinen Ideen und Schlussfolgerungen gemacht beziehungsweise nicht gemacht wurde?

Nun war ich Ende 2012 in Salzwedel und besuchte das Jenny-Marx-Haus, ein wirklich schönes Gebäude mit einem sehr gepflegten Garten, selbst im Winter. Doch soll man von einem Jenny-Marx-Haus sprechen, wenn zwei kleine Räume dem Gedenken an diese Frau übrig geblieben sind? Es hat mich maßlos enttäuscht, welche Räumlichkeit zur Verfügung steht. Trotzdem konnte ich vieles Wissenswerte entnehmen und mit meinen Erinnerungen an Trier gut verknüpfen. Man merkt die Liebe und die Ideen, die in dieser Ausstellung stecken, auch in dem Projekt „Wie würde Jenny heute leben?“. Ich kann mich noch an einen Besuch von vor 30 oder 40 Jahren erinnern, da gehörte Jenny das ganze Haus – oder täusche ich mich?

Nach meinen Informationen kümmert sich jetzt ein Freundeskreis um die Würdigung von Jenny Marx und auch um ihren 200. Geburtstag, der im Februar 2014 begangen wird. Ich hoffe, dass sich jeder in der Stadt besinnt, welch ein Gewinn es für Salzwedel ist, dass sie hier geboren ist und laufen lernte.

Ihre spätere Entwicklung und Bedeutung interpretiere ich so: Hinter jedem starken Mann steht auch eine starke Frau! Doch in Salzwedel hat sie ihre Wurzeln und nur die Wurzeln sind entscheidend für Wachstum! Ich würde mir wünschen, dass aus dem „Jenny-Marx-Kabinett“ – mehr ist es doch nicht! – wieder ein Jenny-Marx-Haus wird und viele der Trierer Ideen hier einfließen könnten. Ich würde auch der Stadt, allen Einwohnern und allen, die etwas zu entscheiden haben, wünschen, dass sie erkennen, mit welchem Pfund sie hier wuchern können. Wir leben in der Marktwirtschaft und nur wer Ideen hat, diese umsetzt, kann bestehen. Dazu gehören Mut und Risiko, aber Weltoffenheit muss über Provinzialität siegen.

In Salzwedel mit den wunderschönen Fachwerkhäusern, ihren Hansespuren und dem schmackhaften Baumkuchen wird es jedem gefallen, der wegen Jenny Marx hierher kommen würde. Wenn ich es richtig gesehen habe, gibt es viele Hinweisschilder zu Kirchen, Museen, aber nicht zum Jenny-Marx-Haus. Warum nicht?

Und man sollte auch spätestens zum 200. Geburtstag auf Jenny Marx aufmerksam machen, die mehr als eine Ehefrau und Sekretärin von Karl Marx war. Für so eine bedeutende – und nicht unwesentlich - hübsche Frau gäbe es woanders schon Kalender, Kaffeetassen, Gipsbüsten. Manches mag Kitsch sein, aber Touristen aus aller Welt kaufen es. Ein Museumsshop mit Büchern, Broschüren und Souvenirs würde unbedingt in das Jenny-Marx-Haus gehören. In Trier sollte man für Salzwedel werben und in Salzwedel für Trier. Hat Salzwedel nicht genügend Arbeitsuchende, die sicherlich selber Ideen hätten, für die es eine Nische in diesem Geschäft gibt, ohne die es heute nicht mehr geht.

Salzwedeler – tragt Euren Ruhm, der mit dieser Frau verbunden ist, in die Welt! 2014 sollte das Jahr dieser Frau und damit auch Eures werden, unterstützt und verstärkt den Freundeskreis mit Tatkraft und wer es kann, auch mit Spenden, die sicherlich nötig sein werden. Februar 2014 – die Tage sind zu zählen!

Leserbriefe geben immer die Meinung des Verfassers wieder. Anonyme Leserbriefe werden nicht veröffentlicht. Die Redaktion behält sich Textkürzungen vor.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare