LESERBRIEFE

„CDU sollte sich auf Dinge konzentrieren, die der Rat selbst verändern kann“

Marco Illing aus Arendsee bezieht sich auf den AZ-Artikel „CDU will Bahnstrecke entwidmen“:

Die CDU-Fraktion im Stadtrat Salzwedel ist für das Gebiet der Stadt Salzwedel zuständig; dieses endet bekanntlich an der Grenze zur Einheitsgemeinde Arendsee. Nicht dazu gehört definitiv der Kreis Stendal, in dem die Autobahn 14 verlaufen wird. Auch der östliche Teil der derzeit nicht befahrenen Bahnstrecke Salzwedel-Geestgottberg gehört nicht dazu.

Dies sollte man auch in der CDU wissen, damit man seine Zeit nicht mit Scheindebatten vertut, die über Dinge geführt werden, auf die man keinen Einfluss hat. Wie die CDU selbst verlauten lässt, sollen hier demnächst 240 bis 270 Züge am Tag einher rollen. Dass sich dies natürlich überhaupt nicht mit einer höhengleichen Querung durch die dringend benötigte Fortsetzung der Umgehungsstraße verträgt, versteht sich eigentlich von selbst. Hier muss unbedingt eine Brücke hin, also gäbe es durch die Entwidmung der parallelen Bahnstrecke von Arendsee keinerlei Vorteile.

Außerdem sind die Stadt Salzwedel und ihr Rat hier gar nicht zuständig, denn die Umgehungsstraße wäre eine Bundesstraße. Die CDU gibt vor, die Interessen der Bürger vor Ort zu vertreten – dann soll sie sich bitte auf Dinge konzentrieren, die der Rat selbst gestalten und verändern kann. Angenommen, Minister Webel geht auf die Resolution ein und rollt zwecks Einsparens einer einzigen Brücke das Planfeststellungsverfahren zur A 14 wieder auf: Im schlimmsten Fall wendet sich das Ganze dann sogar gegen den Willen der Salzwedeler Bürger, die mehrheitlich die A 14 wollen. Denn in wessen Interesse ist es eigentlich, dass sich die Fertigstellung der Autobahn 14 um Jahre verzögert, weil das bereits abgeschlossene Planfeststellungsverfahren wieder angefasst wird, inklusive neuer Argumentationsansätze für die Gegner des Projektes?

Amphibien können die Autobahn im ökologisch sensiblen Elbbereich entlang der Bahntrasse queren; bei einem Verzicht darauf wäre eine völlig neue, teure Kompensation notwendig, und den Umweltverbänden würde sich ein neuer Klageweg eröffnen! Selbst wenn das nicht passiert: Teurer als 20 Millionen Euro für die Brücke wird eine Verzögerung des Autobahnbaus durch die Umplanung auf jeden Fall. Mit der Einmischung in Dinge, die nicht in ihrem Zuständigkeitsbereich liegen, schadet die Salzwedeler CDU am Ende der eigenen Wählerschaft.

Lieber sollte sich die CDU in der Altmark darauf besinnen, etwas gegen den zunehmenden demografischen Wandel zu unternehmen und mit einer angemessenen Infrastruktur dafür zu sorgen, dass auch junge Leute, Familien und Pendler eine gute und zeitlich annehmbare ÖPNV-Verbindung zum Ballungszentrum Wolfsburg/Hannover und Richtung Wittenberge haben. Damit würde die Region auch wieder viel attraktiver zum Wohnen werden.

Um das mit den Fahrzeiten mal zu verdeutlichen: Wenn man derzeit mit dem Landesbus von Wittenberge nach Wolfsburg möchte, kommt man laut Fahrplan auf eine reine Fahrzeit von 3:25 Stunden. Die Zeit für den Umstieg in Salzwedel ist dabei nicht berücksichtigt. Selbst mit der Bahn geht es aktuell im Höchstfall zu bestimmten Zeiten in maximal 1:50 Stunden! So etwas ist in der heutigen Zeit schlicht nicht mehr „up to Date“. Selbst mit dem Auto braucht man alleine von Salzwedel nach Wolfsburg schon mehr als eine Stunde Fahrzeit über die Bundesstraße.

Wenn die Bahnstrecken Geestgottberg - Salzwedel und Salzwedel - Oebisfelde für 120km/h ausgebaut wären, sind hier theoretisch Fahrzeiten für die Strecke Wittenberge - Wolfsburg von rund 80 Minuten drin. Das wären im Vergleich zu dem jetzigen ÖPNV-Bus-Angebot mehr als 60 Ürozent Zeitgewinn (rund zwei Stunden weniger) und zur alternativen Bahnverbindung via Stendal etwa 30 Minuten weniger. Marco Illing, Arendsee. Leserbriefe geben die Meinung des unterzeichnenden Verfassers wieder. Die Redaktion behält sich Kürzungen vor.

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