„Krisen werden gemacht“

Zum Artikel „In Salzwedel wird es dunkler“, AZ von gestern, schreibt Axel Erxlebe aus Salzwedel:

Nun ist es soweit. Der kleine Mann bekommt die Auswirkungen der Krise hautnah zu spüren. Die Stadt Salzwedel ist pleite. Noch mehr Geld borgen, geht nicht mehr, denn schon ein altes Sprichwort sagt „Borgen bringt Sorgen“. Ein Konsolidierungsplan soll es jetzt richten. Und dieser sieht neben anderen Erscheinungen auch die Abschaltung der Straßenbeleuchtung in der Zeit von 22 bis 5 Uhr vor.

... Krisen, die kommen nicht einfach so, Krisen werden gemacht. Und wenn dabei Kontrollmechanismen versagen oder erst gar nicht vorhanden sind, dann geht es mit ihnen sehr schnell voran. Und es wird dem kleinen Mann dann suggeriert, dass er damit zu leben hat. Wie er damit klarkommt, ist dann seine Sache.

Doch wagen wir nun einmal einen Blick nach vorn in Bezug auf die Tatsache, dass es in Salzwedel nachts wirklich stockdunkel wird. Dunkle Gestalten ... Nein, so geht das nicht. Denn um dunkle Gestalten zu erkennen, bedarf es wenigsten etwas von dem Licht, das wir ja bald nicht mehr haben werden. Ich gehe es einmal anders an. Die Ganoven, egal ob Diebe oder Sprayer, arbeiten dann sieben Tage in der Woche von 22 bis 5 Uhr. Sie haben dann auch eine geregelte Arbeitszeit ohne irgendwelche Ängste im Nacken. Der Stadtrat sitzt in späten Nacht-sitzungen im spärlichen Licht von selbst gezogenen Kerzen beisammen, um das Ruder vielleicht doch noch herumreißen zu können. Und die Bevölkerung, die schläft schon, so sie denn mit der Angst um ihr Eigentum überhaupt schlafen kann. Denn bei künstlichem Licht noch wach sein, das lassen die Strompreise schon lange nicht mehr zu. Und die Polizei, die tappt jetzt wirklich im sprichwörtlichen Dunkeln.

Aber noch etwas anderes bewegt mich dahingehend. Es gab vor Jahren einmal eine Serie im Fernsehen, die da hieß „Die Waltons“. Diese Art Serien sind nun wirklich nichts für mich. Ab und zu habe ich mir jedoch den Abspann angesehen. Ein Haus in der Dunkelheit war zu sehen, in dem vier Fenster erleuchtet waren. Nach und nach erloschen die Lichter in diesen Fenstern, verbunden mit Stimmen, die eine gute Nacht wünschten. Beim Erlöschen des Lichtes im letzten Fenster aber war die imitierte Stimme unseres Altbundeskanzlers Helmut Kohl zu hören, die da sagte „Gute Nacht Deutschland!“. Hat der Mann, dessen Stimme zu hören war, damals schon hellseherische Kräfte gehabt? Scheinbar ja. Denn im reichsten Land Europas gehen so langsam die Lichter aus. Traurig, aber leider wahr.

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