Kostenersparnis am Ende der „Dunkelzeit“?

Jan Kleemeier, Bürger der Einheitsgemeinde Hansestadt Osterburg stört es empfindlich, das nachts keine Laterne unseren Ort und seine Ortsteile erhellt, nur weil man irgendwie einsparen muss.

Warum hat man nicht wenigstens jede zweite Straßenlampe angelassen. So ist es finster wie in einem Sack und damit eine nicht akzeptable Maßnahme, die das Sicherheitsbedürfnis der Bürger und die öffentliche Sicherheitspflicht der Verwaltung unterminiert.

Was mich von den Entscheidern im Stadtrat und den Ausführenden in der Stadtverwaltung interessiert, ist die tatsächliche Kostenersparnis am Ende der „Dunkelzeit“ und wie die eingesparten Mittel haushaltsmäßig zu Buche schlagen, wie auch wofür die Gelder eingesetzt werden sollen?, schreibt er in einem Leserbrief.

Der Unmut der Bürger in der Einheitsgemeinde Hansestadt Osterburg über die unpopuläre Sparmaßnahme des flächendeckenden Abschaltens der Straßenbeleuchtung wächst (AZ berichtete). Auch viele Bürger in Krevese sind mit diesem falschen Sparansatz unzufrieden, denn der Zustand, dass gar keine Lampe in der ganzen Ortschaft leuchtet, ist so nicht hinnehmbar. Man fühlt sich wie in den Tagen des Mittelalters, als es während der Nacht auf den Straßen auch keine Beleuchtung gab. Aber selbst in dieser finsteren Zeit gab es Fälle, in denen sollte jeder Bürger auf Anweisung des Rates vor seinem Hause eine Laterne anzünden. So zum Beispiel bei Feuergefahr, bei Störung der öffentlichen Sicherheit und bei fürstlichem Besuch in der Stadt. Wenn ein Diebstahl oder Frevel geschah und der Geschädigte durch lautes Geschrei (die Ruchte) die Nachbarn zur Hilfe rief, sollte er ebenfalls eine Laterne vor sein Haus hängen. Zusätzlich gab es zum Schutz von Eigentum und Leben noch den mit Spieß und Signalhorn ausgerüsteten Nachtwächter, der von Einbruch der Dunkelheit bis zum Morgengrauen im Ort auf- und ab ging. Wie wir wissen, hat schon damals die unzulängliche Beleuchtung des Nachtwächters nicht ausgereicht, sonst hätte man den vermeintlichen Bären wohl sofort als Seehäuser Bullen vor dem Stadttor erkannt. Aber Spaß bei Seite.

Und was alles im Schatten der Dunkelheit des nachts auch in unseren Ortsteilen passiert, haben wir durch Diebstahl ebenfalls bereits erfahren! Am gravierendsten ist aber die Nichtgewährung der öffentlichen Sicherheit. Nicht nur die Zeitungszusteller sind davon betroffen, sondern auch andere Berufsgruppen, die im Dorf früh raus auf unbeleuchteten Wegen zur Arbeit müssen oder Personen, die medizinische Hilfe benötigen. Dunkle Dörfer und Städte stellen grundsätzlich einen Einschnitt der persönlichen Freiheit der Bürger dar, wenn man sich im Ort des nachts nicht mehr sicher bewegen kann oder Angst haben muss, dass etwas nur passiert, weil die Beleuchtung von Gefahrenstellen wie Straßenkreuzungen, unebenen Gehwegen oder Kurven- und Einmündungsbereichen fehlt. Straßenbeleuchtung ist kein Festtagsschmuck, sondern trägt dem Sicherheitsbedürfnis der Bewohner Rechnung, für das die Bürger schließlich auch durch ihre Steuern zahlen. Am meisten ärgert es mich persönlich aber, dass in Krevese durch Windenergie Strom erzeugt wird, von dem wir in unserer eigenen strukturschwachen Region nichts haben, da er teuer eingespeist und gewinnbringend für die Betreiber als Ökostrom bis nach München verkauft wird. Uns rechnet man aber bei einer geplanten Erweiterung der Anlagen milchmädchenhaft vor, wie viel Haushalte oder Gemeinden mit der Leistung der Megaturbinen ihre Strombilanz staatlich subventioniert verbessern könnten. Und was haben wir davon, wenn es nachts trotzdem stockfinster ist? Es gab Zeiten, da bekamen die Kommunen für die Abnahme bestimmter Stromkontingente noch Geld vom Energieversorger zurück. Vielleicht sollten wir uns im Zeitalter innovativer Energiegewinnung und der Diskussion um umweltfreundliche Alternativen in der Altmark die Frage stellen, ob nicht durch moderne Photovoltaiksysteme auch die Straßenlaternen rund um Osterburg kostengünstig zum Leuchten gebracht werden könnten, so wie bei den Parkzeitautomaten, denn so wie es zur Zeit ist, ist es wirklich wie im finsteren Mittelalter.

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