Nico Macht sieht die Diskussion über eine einheitliche Postleitzahl für Gardelegen als sinnlos und überflüssig an

„Kosten für die Bürger werden mal wieder vergessen“

Betr. : Artikel „Wir sind jetzt alle in einem Suppentopf“ zum Thema Vereinheitlichung der Postleitzahl (Altmark-Zeitung, 25. Januar). Dazu schreibt Nico Macht aus Gardelegen:.

Leserbrief

„,Hasch mich! Ich bin der Frühling!´ oder ,Ringelpietz mit anfassen´ – so oder so ähnlich waren meine ersten Gedanken, als ich den Artikel las. Die Gedanken, die mir weiter kamen, werde ich aus Gründen der Höflichkeit nicht weitergeben. Nur soweit: Die steigende Entrüstung zwang mich zu diesem Kommentar.

Vor noch nicht einmal zwei Monaten verging kaum ein Tag, an dem man nichts über das Thema ,Haushaltskonsolidierung´ in der Presse zu lesen bekam. Das Thema ist ja ,Gott sei Dank´ erst einmal vom Tisch. Aber den Appell des Bürgermeisters, man müsse weiter sparsam sein und sich auf die wesentlichen Dinge konzentrieren, ist mir noch gut in Erinnerung. Bitte, Herr Bürgermeister, sehr geehrte Stadträte und Ausschussmitglieder, dann machen Sie das doch bitte.

Mir ist unerklärlich, wie es überhaupt zu dieser Diskussion kommen kann. Welche schwerwiegenden Gründe gibt es, dieses Thema in der derzeitigen Intensität und mit diesem Enthusiasmus zu führen? Mir sind bisher keine Fälle bekannt, in denen es zu schwerwiegenden Zwischen- oder Todesfällen kam, weil ein Navigationsgerät nicht zwischen der Bahnhofstraße Gardelegen und der Bahnhofstraße Mieste unterscheiden konnte und somit seinen Nutzer in die verderbliche Irre geführt hat.

Mit Stolz konnten Ausschüsse, Stadtrat und Bürgermeister letztes Jahr verkünden, dass ,neue´ Einnahmequelle erschlossen werden konnten, um die Haushaltskonsolidierung zu erreichen. Natürlich auf dem geschmackvollem Wege der Gebührenerhöhung (Mieten, Pachten, Kinderbetreuung). Und zwar in all jenen Bereichen, so behaupte ich, in denen man hoffte, auf relativ geringen und uneinheitlichen Widerstand zu treffen. Jetzt, nachdem die Konsolidierung vom Tisch ist und die Gebührenerhöhungen natürlich nicht rückgängig gemacht worden sind, scheint genügend Geld vorhanden zu sein, das ,verbrannt´ werden kann.

Hat sich einer der Herren oder eine der Damen mal Gedanken darüber gemacht, was das alles kostet? Den Stadthaushalt bestimmt ein paar neue Namensschilder für Straßennamen, ein wenig Zeitaufwand, um die Daten der Bürger im Einwohnermeldeamt zu ändern, und die Aufwandsentschädigung für sinnlose ,gemeinnützige´ Arbeit.

Die Kosten für alle Anderen wie Bürger und Unternehmen werden natürlich mal wieder vergessen. Da heißt es, Stempel, Kopfbögen, Adressaufkleber, Anzeigen, Adress- und Telefonbucheinträge ändern zu müssen. Unternehmen müssen jede falsch adressierte Eingangsrechnung zurückschicken, weil sonst die Finanzämter verrücktspielen. Das bedeutet erhöhten Aufwand für Porto und Versand, weil die Post richtig angekommen ist. Personalausweise und Pässe müssen geändert werden.

Was soll das Ganze? Geht dem Einwohnermeldeamt mit sinkender Einwohnerzahl die Arbeit aus? Muss in den Rats- und Ausschusssitzungen ein ,Winterloch´ gefüllt werden? Sind unsere Feuerwehren und Rettungsdienste in unserer ,Mega-Metropole´ nicht in der Lage, ohne Navigationsgerät den Einsatzort zu finden? Leiden einige Wenige in unserer Stadt unter Dyskalkulie (Mathematikschwäche), weil sie sich eventuell mehr als nur eine fünfstellige Zahlenkombination merken müssen? Ist der Identitätsverlust aufgrund einer Postleitzahlenänderung eventuell eine anerkannte Krankheit? Häufen sich Vermisstenmeldungen von verirrten Brief- und Paketzustellern?

Ich kann das Ganze noch steigern. Ich beantrage hiermit, dass sich jeder Einwohner der Stadt Gardelegen seine Wunschpostleitzahl per Internet reservieren und diese dann in den Ausweis eintragen lassen kann. Natürlich gebührenpflichtig, weil wir doch sparen müssen.

Meine Aufforderung an Sie, sehr geehrter Herr Bürgermeister und sehr geehrte Rats- und Ausschussmitglieder: Stellen Sie die Diskussionen zu diesem Thema ein, bevor noch mehr Worte darüber verloren werden. Überschlagen Sie, welche finanziellen Aufwändungen für Aufwandentschädigungen bereits durch die Stadt zu tragen sind sowie die Kosten, die eine Vereinheitlichung der Postleitzahlen nach sich ziehen würde. Summieren Sie das Ganze, Ihren Verzicht vorausgesetzt, und stellen Sie das Geld jenen Bürgern und jungen Familien zur Verfügung, die durch die Gebührenerhöhungen im Zuge der Haushaltskonsolidierung in finanzielle Nöte geraten sind.

Da ich weiß, dass dieser Apell wie Wasser an Ihnen abperlen wird, verbleibe ich frei nach Otto Reutter: ,In dieser Stadt wunder ick mir über jarnischt mehr.´“

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