Christfried Lenz plädiert für ein Vertiefen des eigenen Verständnis

„Keine Rangordnung“

Christfried Lenz aus Sieben Linden äußert sich zur aktuellen Kolumne „Wen schützen wir eigentlich?“ vom 3. November:.

Leserbrief

Das Patriarchat ist bekanntlich schon sehr früh aus der Arbeitsteilung zwischen Mann (Jäger, Krieger) und Frau (Kinder aufziehen, Hütte in Ordnung halten, Pflanzen hausnah anbauen) entstanden, da die Tätigkeit des Mannes vom ganzen Anschein her als überlegen wirkte. Ja: „Anschein“ und „wirkte“, denn die Überlegenheit ist nur äußerlich: Überlegene Muskelkraft, Waffentechnik, etc.. Wenn man die Erhaltung des Lebens insgesamt betrachtet, kann von einer Überlegenheit des Mannes überhaupt keine Rede sein, bestenfalls kann man sagen: ganz ohne ihn geht es auch nicht.

Dass der Mann als höherwertig betrachtet wurde (und auch immer noch vielerorts wird), beruht also auf einer völlig oberflächlichen Betrachtungsweise. - Dass die „großen Weltreligionen“ (Hinduismus, Judentum, Christentum, Islam) sich als Hort erwiesen haben, in dem das Patriarchat in besonderem Maße gepflegt wurde und wird, spricht gerade nicht für Bewusstseinstiefe, die man sich von einer Religion wünschen möchte.

Im Islam ist noch eine regelrecht mittelalterliche Ausprägung des Patriarchats lebendig. Aber das Christentum ist auch kein Waisenknabe. In der katholischen Kirche gilt bekanntlich noch heute das „mulier taceat in ecclesia“ (die Frau hat in der Kirche zu schweigen), so dass Frauen vom Priesteramt ausgeschlossen sind. Und von Luther gibt es Aussagen über die Frauen, die ich gar nicht wiedergeben kann, weil sich mir sonst der Magen rumdreht.

Wir sollten gemeinsam mit zugereisten Mohammedanern das Thema „Patriarchat“ sensibel anschauen und bearbeiten und dabei auch unser eigenes Verständnis vertiefen, dass es zwischen Frau und Mann eine Verschiedenheit gibt, aber keine Rangordnung.

Leserbriefe geben die Meinung des Verfassers wieder. Anonyme Briefe werden nicht veröffentlicht. Mögliche Kürzungen vorbehalten.

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