Angelika Scholz will mehr Geld für Bildung

Identitäten vieler Orte sind verloren gegangen

Angelika Scholz aus Diesdorf kritisiert das Schließen kleiner Grundschulen:.

Leserbrief

Immer wieder erstaunt mich, wie unsere Gesellschaft an den falschen Stellen spart. Ich bin ja auch dafür, dass geprüft wird, welche Ausgaben sinnvoll sind und wo gespart werden kann, aber die gegenwärtigen Reaktionen stören mich als Bildungsausschussvorsitzende des Kreises schon. Kleine Grundschulen, circa 70 an der Zahl, sollen geschlossen werden, weil einfach die Grundziffer / Schülerzahl auf 60 gesetzt wird. Es werden zwar Lehrer in unserem Bundesland ausgebildet, aber eingestellt werden sie nicht. Die jüngste Lehrerin an meiner Schule ist inzwischen 42 Jahre alt. Das ist das Ergebnis, wenn seit über 20 Jahren praktisch keine nennenswerten Einstellungen erfolgten. Deshalb gibt es auch kaum noch ausgebildete Sport- und Musiklehrer. Jetzt sollen auch noch kleine Grundschulen, vor allem auf dem Land, geschlossen werden. Dabei ist doch die Frage, ob die zukünftig längeren Wege für die kleinen Füße nicht teurer werden, als wenn eine kleine Grundschule auf dem weitläufigen platten Land, wie es zum Beispiel die Altmark ist, weiter betrieben werden würde. Wie wollen wir das Leistungsniveau unserer Kinder weiter verbessern, wenn diese von frühmorgens 6 bis nachmittags 17 Uhr unterwegs sind. Anschließend werden sie noch zum Fußball- oder anderem Training oder in eine Musikschule gefahren, sodass sie erst ab 19 Uhr richtig zu Hause sind. Die Identitäten der vielen Orte ohne Schulen sind schon verloren gegangen.

Schulen und kleine Kindertagesstätten werden geschlossen, aber „Kriegsspielstädte“ wie „Schnöggersburg“ werden für Hunderte Millionen Euro gebaut. Dabei soll darüber, wofür Krieg in Hochäusern und U-Bahnstationen geübt werden muss, jetzt lieber nicht ernsthaft diskutiert werden, weil das schon wieder ein anderes Thema ist, worüber hierzulande geschwiegen wird. Banken, die fremdes Geld verzocken, bekommen vom Staat Bürgschaften über mehrere 100 Milliarden Euro, für die der normale Bürger gerade stehen muss, aber an unseren Kindern und deren Bildung wird gespart. In diesem Land stimmen die Relationen einfach nicht mehr, auch wenn wegen bevorstehender Wahlen jetzt wieder Versprechungen aller Art gemacht werden, damit die Verursacher dieser Probleme weiter regieren dürfen.

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