Olaf Lincke glaubt nicht, dass das Parken an der Sperlingsida das Stellflächenproblem löst

„Hat nur mit Bequemlichkeit zu tun“

Zum Artikel „Stadt will ein klares Konzept“, AZ vom 20. Januar, schreibt Olaf Lincke (Stadtrat Stendal, Fraktion „Die Mitte“/SPD/FDP/Piraten:.

Lesermeinung

Was macht den Platz an der Sperlingsida so interessant? Eigentlich sind es nur der Brunnen und der Beginn der Fußgängerzone. Aber genau hier liegt das Problem aus meiner subjektiven Sicht.

Der Brunnen ist nicht nur „eigentlich“, er ist gewidmet einem Ehrenbürger unserer Hansestadt (vier haben wir nur davon). Friedrich Hermann Haacke hat sich verdient gemacht um die Stadt und die Bürger der Stadt sammelten Geld, um 1906 diesen Brunnen zu seinen Ehren zu errichten. Dazu kommt, dass der Brunnen auch in der Kunstgeschichte seinen Platz hat, denn er gilt als erster bemalter Steinbrunnen in Deutschland.

So wie der Sperlingsberg jetzt genutzt wird, ist der Brunnen nur ein Beiwerk und es kommt ihm nicht die Aufmerksamkeit zu, die er verdient hat. Denn wer drängt sich durch parkende Autos, um sich die Gedenktafel anzusehen bzw. die Schönheit des Brunnen zu genießen?

Sollten wir wirklich für sieben Parkplätze (!) dieses historische Denkmal so ins Abseits stellen und das Gedenken an einen der wichtigsten Bürger der Hansestadt ins Vergessen bringen?

Ich habe in verschiedenen Internetforen und auch persönlich die Bürger gefragt, was sie möchten, und die Mehrheit sprach sich für einen autofreien Platz aus (siehe zum Beispiel Facebook). Eins einte jedoch alle: Das Parken für Menschen mit Behinderungen sollte gewährleistet werden. Doch auch hier stimmten mir viele zu, dass solche Parkplätze problemlos an der Rathenower Straße geschaffen werden können. Parkplätze an der Sperlingsida haben eigentlich nur etwas mit Bequemlichkeit zu tun, denn diese paar Parkplätze lösen nicht das Parkplatzproblem der Innenstadt. Wobei die Verwaltung selber einschätzt, das wir 2017 einen Überschuss an Parkplätzen haben werden.

Wenn nun von der Verwaltung gesagt wird, wir brauchen die Parkplätze, warum sollten dann so viele Parkplätze am Wüste Worth verkauft werden? Das widerspricht sich. Zum Glück hat die Mehrheit der Stadträte dem Verkauf nicht zugestimmt.

Ein weiterer Gesichtspunkt zur vorgeschlagenen Gestaltung des Platzes an der Sperlingsida von der Verwaltung ist die Sicherheit für die Fußgänger. Denn sollten dort weitere Bänke und Blumenarrangements aufgestellt werden und dazwischen Autos parken dürfen, frage ich mich: Wer will sich da dann hinsetzen und seine Kinder ständig im Auge haben, damit nicht ein Auto angefahren kommt? So kann man dann nicht in Ruhe verweilen und die Schönheit einer 850-jährigen Stadt genießen und einen Brunnen, der im nächsten Jahr seinen 110. Geburtstag feiert, bewundern.

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