Leserbrief

„Große Herausforderung“

Betr.: AZ-Bericht „Nur Käse zu machen, ist auch Käse“ vom 30. Juli 2016. Dazu schreibt uns Kerstin Becker aus Wiepke vom Familienbetrieb Becker:

Als wir nach dem Besuch der Landwirtschaftsministerin Frau Prof. Dr. Dalbert den Pressebericht in der Altmark Zeitung lasen, wurde uns schnell klar, dass zu diesem schönen Anlass doch etwas mehr Aufklärungsbedarf für die Leser der Altmark Zeitung besteht.

Als erstes möchten wir korrigieren, dass wir seit über 25 Jahren ein Familienbetrieb sind, und keine Agrargenossenschaft. Bestehend aus Michael Becker und Kerstin Becker (Geschäftsführer) sowie den Kindern Linda und Franz Becker, die später einmal den Betrieb weiterführen möchten. Des Weiteren wollen wir Sie gern darüber informieren, wie es zu diesem netten und vielversprechenden Nachmittag mit der Ministerin auf Beckers Hof kam.

Der Betrieb Becker befindet sich seit Mai 2016 in der Umstellungsphase von konventioneller Landwirtschaft zum biologischen Anbau in den Bereichen Pflanzenproduktion und Tierproduktion (Milchproduktion und Färsenaufzucht). Bio ist für uns völliges Neuland, besonders im Bereich des Ackerbaus. Wir betrachten diesen zweijährigen Umstellungsprozess als eine große Herausforderung, die auch mit vielen zusätzlichen Kosten verbunden ist.

Unsere neue Landwirtschaftsministerin Prof. Dr. Claudia Dalbert, welche vorher nicht im landwirtschaftlichen Bereich tätig war, hat seit ihrem Amtsübernahme ebenfalls Neuland betreten.

Dieses war der Anlass, dass Tochter Linda Becker Prof. Dr. Dalbert per E-Mail gebeten hat, mit uns eine Partnerschaft einzugehen. Die Ministerin nahm das Angebot dankend an. Auf der Sommertour durch Sachsen-Anhalt gab es ein erstes Treffen, um sich näher kennenzulernen und um schon mal über erste Sorgen und Bedenken zu sprechen. Wie zum Beispiel die Fördermöglichkeiten während der Umstellungsphase.

Ja, es gibt zusätzliche Prämienzahlungen und das Besondere daran ist, dass diese auch Betriebe erhalten, welche ihre Umstellung schon zum Mai 2016 in den Ämtern angemeldet haben, obwohl dieser Beschluss erst vor kurzen rückwirkend gefasst wurde. Enttäuscht waren wir darüber, dass der Redakteur der Altmark-Zeitung diese Prämienzahlungen zum Hauptthema in seinem Artikel machte. Beihilfen oder Förderungen in der Landwirtschaft sind keine „Geschenke“, die die Landwirte sich heimlich unters Kopfkissen legen, sondern sie werden gebraucht, um schwierige Situationen, wie hohe Investitionen zum Beispiel während der Umstellung, überhaupt bestehen zu können.

In diesem zweijährigen Prozess werden die Erlöse im Ackerbau, aber auch bei der Milchleistung um ein Drittel absinken. Hervorgerufen durch das Nichteinsetzen von synthetischen Düngemitteln und Pflanzenschutzmitteln sowie das Verändern der Futterration für die Kühe (weniger Mais, mehr Gras). Auch um diesen Gewinnverlust erträglich zu machen, werden wir gefördert.

Der Wunsch eines jeden Landwirtes ist es, wirtschaftlich unabhängig zu sein.

In der heutigen Zeit ist das leider kaum noch möglich. Das Wegbrechen riesiger Exportmärkte wie Russland und China und das Abschaffen der Milchquote durch die EU führten zu einer enormen Überproduktion. Es ist einfach zu viel von allem da. Außerdem werden in Deutschland im Vergleich zu anderen EU-Staaten die Lebensmittelpreise für den Verbraucher extrem niedrig gehalten. Beispielsweise: Milch in Schweden 1.67 €, Milch in Deutschland 0,49 €.

Abschließend möchten wir Ihnen mitteilen, dass noch drei weitere Termine mit unserer Landwirtschaftsministerin auf unseren Betrieb in den nächsten zwei Jahren geplant sind: Dezember 2016 Advent in den Höfen; Mai 2017 Weideaustrieb der Kühe; Mai 2018 zum Ende der Umstellung Erfahrungsaustausch und Resümee ziehen.

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