Zur drohenden Pleite der Windkraftfirma Prokon schreibt Martina Herzog-Witten

Vom Genießen zum Genossen?

Zum AZ-Artikel „Anzeigen gegen Prokon“ am Dienstag, 14. Januar, (Wirtschaftsseite) schreibt Leserin Martina Herzog-Witten aus Trippigleben:.

Leserbrief

Prokon Ausweg: Vom Genießen zum Genossen?

Dumm gelaufen, versprochene hohe Genussrechte aber keine Garantie auf die Rückzahlung des Anlagekapitals! Kein Genuss. Wie sollte dies auch möglich sein, schließlich ist das Geld ja investiert, liegt also fest. Die Rendite wird immer wackeliger, weil durch allerlei Reglementierung und Verwirrung kein wirklicher Strommarkt existiert. Die Politik eiert rum, wenn es um Erneuerbare Energie geht, subventioniert aber Kohle und Atom um ein Vielfaches.

Die Prokon-Anleger dürfen nun wählen zwischen Pest und Cholera: Entweder sie fordern egoistisch ihr Geld zurück, dann ist die Insolvenz besiegelt und sie werden auch fast leer ausgehen. Warum? Die Haie stehen sicher schon bereit, die „Hardware“ für wenige Geld aufzukaufen und sich dann einen Orden für die „Rettung“ der Windräder anzuheften, – vielleicht freut sich schon RWE? Die altruistische Variante, das Geld bei Prokon zu lassen, wäre wohl eine Möglichkeit für den Fortbestand des Unternehmens, ist aber mit zu viel Unsicherheit befrachtet und daher, ginge es nicht nur um Geld, eine Art Selbstmord.

Da liegt der Knackpunkt: Nicht Egoismus und auch nicht blinder Altruismus könnte das Kapital der aufs Glatteis geführten Anleger „retten“, aber was wäre, wenn Prokon nun voranginge und alle Anleger zu Anteilseignern machte? Oder Umgekehrt: Die Anleger fordern gemeinsam die Übernahme? Es sind doch Werte vorhanden, wenn die Anleger so zu Mitunternehmern werden, werden sie weder auf die dumme Idee kommen, zu viel Zinsen zu fordern, noch ihrem Unternehmen Substanz zu entziehen. Es gibt immer einen dritten Weg, – fragt sich nur, ob die Menschen reif dafür sind! Haben die Leute ihr Geld nicht allein aus finanziellen Gründen Prokon anvertraut, dann besteht hier vielleicht eine Hoffnung.

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