AZ-Leserbrief

„Dem Gemeinwohl verpflichtet“

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(Symbolbild)

Arno Heilemann aus Magdeburg äußert sich zum AZ-Artikel „Zu hohe Nutztierbestände“ vom 7. August:

Die Zahl der Nutztiere muss sinken: Frau Klöckner hat den Ernst der Situation anscheinend noch nicht erkannt, oder was wahrscheinlicher ist, die Agrarlobby bestimmt die Politik.

Das Landwirtschaftsministerium sollte unbenannt werden in Ministerium für die Interessen der Agrarindustrie. Tierwohl, CO² Reduzierung? Fehlanzeige. Antibiotika in der Tiermast, selbst Reserveantibiotoka, werden unreglementiert verwendet. Resultat: In Europa rund 40 000 Tote, da Antibiotika im Notfall nicht mehr wirken. Aber was sind Menschenleben gegen Umsatz in der Agrarproduktion?

Frau Klöckner trifft sich mit dem Cheflobbyisten der Geflügelindustrie, ihrem Parteifreund Ripken, ehemals Agrarstaatssekretär in Niedersachsen. Resultat: Man sollte sich mal Gedanken machen... Verbot des Einsatzes von Reserveantibiotika, Fehlanzeige. Unser Grundwasser ist mit Nitrat verseucht. Brüssel droht erneut massiv mit Strafzahlungen. Die Aufbereitung des Grundwassers in Trinkwasser wird immer aufwendiger. Die Wasserpreise werden steigen. Weniger Gülle? Geringere Tierbestände? Von Seiten Frau Klöckners Fehlanzeige.

Stattdessen wird noch Gülle, zum Beispiel aus Holland, nach Sachsen-Anhalt importiert. Importverbot: Fehlanzeige. Ungesunde Lebensmittel mit zuviel Zucker überschwemmen den Markt. Lebensmittelampel, Zuckersteuer? Fehlanzeige.

Übergewicht, Diabetes, Bluthochdruck nehmen zu, gerade bei uns. Hauptsache der Umsatz stimmt. Seit Mitte des Jahres haben wir unsere Ressourcen verbraucht, wir leben auf Pump zukünftiger Generationen. Kerosin- und CO 2 Steuer? Fehlanzeige. Politik soll steuern und ist dem Gemeinwohl verpflichtet. Viele Politiker haben aber die ersten beiden Buchstaben vergessen. Hauptsache die Wiederwahl klappt und die Industrie bestimmt die Politik.

Arno Heilemann, Magdeburg

Leserbriefe geben die Meinung des unterzeichnenden Verfassers wieder. Anonyme Briefe werden nicht veröffentlicht. Die Redaktion behält sich Kürzungen vor.

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