BUND-Chef Oliver Wendenkampf kritisiert Diesdorfs Bürgermeister

Fritz Kloß „öffnet Tür und Tor“

Oliver Wendenkampf, Landesgeschäftsführer des BUND Sachsen-Anhalt, schreibt zur geplanten Hähnchenmastanlage Neuekrug und zum Artikel „Investor lehnt Unterschriften ab“ vom 7. Februar:.

Leserbrief

Das Foto im genannten Artikel zeigt nicht eine Bürgerinitiative, sondern die BUND-Ortsgruppe Diesdorf und mich.

Widerstand zu leisten, das haben Wendenkampf und die BUND-Mitglieder in Neuekrug und Umgebung bereits im vergangenen Jahr angekündigt. Die 110 Unterschriften (von 148 Einwohnern), die der BUND gemeinsam mit der Bürgerinitiative „Gegen die Hähnchenmastanlage in Neuekrug“ gesammelt hat, und die der potenzielle Investor Steffen Huster nicht anerkennen will, sind dabei Ausdruck eines deutlichen Bürgerwillens, den zwar weder der Investor noch der Gemeinderat formal juristisch anerkennen muss, der aber zeigt, was im Interesse der Bevölkerung und damit der Wählerinnen und Wähler ist. Und, anders als Herr Huster suggerieren will, eben nicht Ergebnis einer „Angstkampagne“, sondern Folge aufmerksamen Verfolgens der aktuellen wissenschaftlichen Studien zu den Gefahren, die von solchen industriellen Tierhaltungsanlagen gerade im Geflügelbereich ausgehen, ist. Lärm und Verkehr sind da noch die geringsten, wenn auch ebenfalls krank machende Auswirkungen. Viel problematischer sind da die so genannten „multiresistenten Keime“, die gerade im Umfeld industrieller Geflügelmastanlagen mit einer deutlich höheren Wahrscheinlichkeit auftreten als in Dörfern, in Gärten, auf Feldern und Wiesen, in deren Nähe keine solche Anlage betrieben wird.

Dass sich die Bevölkerung daher solche Anlagen nicht gefallen lassen will, noch dazu ungefragt und gegen ihren eindeutig artikulierten Willen, ist ebenso logisch wie die Unterstützung des BUND für die Menschen in und um Neuekrug. Sehr bedauerlich ist in diesem Zusammenhang, dass Bürgermeister Fritz Kloß zum einen bislang weder seine öffentliche Zusage (auf einer öffentlichen Veranstaltung in Neuekrug), die Bauvoranfrage des Investors in Kopie an den BUND Diesdorf weiterzuleiten, eingehalten hat, noch mit „offenen Karten“ zu spielen gewillt ist. Anders ist das Verfahren nicht zu deuten, eine Sitzung des Bauausschusses, zu der auch der Investor und Vertreter des ortsfremden Unternehmens Frikifrisch eingeladen waren, mehr als kurz anzuberaumen, einen Termin für die bereits im vergangenen Jahr zugesagte Bürgerversammlung aber immer noch nicht bekanntzugeben, und auf die Bitte des BUND Sachsen-Anhalt, auf dieser Versammlung einen ebenso zeitlich begrenzten Vortrag halten zu dürfen, wie der des Investors, noch nicht einmal zu reagieren. Im Fazit müssen Mann und Frau mit gesundem Menschenverstand zu dem Schluss kommen, dass zumindest der Bürgermeister an der Bevölkerung vorbei dem Investor Tür und Tor für Bau und Betrieb einer industriellen Tierhaltungsanlage gegen den Willen der Bevölkerung öffnen will.

Es bleibt die Hoffnung, dass zumindest die Mehrheit der Gemeinderäte sich den Willen der Bevölkerung zu eigen macht, wenn sich schon der Bürgermeister zum „Büttel des Kapitals“ macht, um so den betroffenen Bürgerinnen und Bürgern und dem BUND den Gang vor Gericht zu ersparen.

Leserbriefe geben die Meinung des Verfassers wieder, mit der sich die Redaktion nicht immer identifiziert.

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