„An Frechheit nicht zu überbieten“

Zum Artikel „DDR war kaputt, nicht mehr zu retten“, Altmark-Zeitung vom 23. Oktober, schreibt Karl-Heinz Reck aus Salzwedel:

Im Artikel wird über die Feier der Kreis-CDU zum 20. Jubiläum der Deutschen Einheit berichtet. Es ist nun nicht meine Absicht, die Interpretation zur Wiedervereinigung von Gerd Gies, erster Ministerpräsident unseres Landes, zu kommentieren. Es ist aber aus meiner Sicht unverzichtbar, zu zwei Aussagen Stellung zu beziehen. Gerd Gies bewertete die Regierungsübernahme 1994 von SPD und Bündnis 90/Die Grünen unter dem Ministerpräsidenten Reinhard Höppner wie folgt: „Damit versank unser Bundesland in ein rot-rot-grünes Chaos.“ Und davon habe sich Sachsen-Anhalt bis heute nicht erholt. Das ist eine Bewertung der Geschichte, die an Frechheit nicht zu überbieten ist.

Richtig ist doch wohl, dass sich die von der CDU geführte Landesregierung von 1990 bis 1994 durch Inkompetenz, durch undurchsichtige Entscheidungen (Gehälteraffäre) und durch innerparteiliche Machtkämpfe auszeichnete. Drei „Verschleiß“-Ministerpräsidenten in vier Jahren sind ein eindrucksvolles Spiegelbild der Regierungstätigkeit dieser Zeit. Erst mit Reinhard Höppner setzte Kontinuität ein, die dem Land gut tat.

Ich gebe natürlich zu, dass das eine persönliche Einschätzung ist, in der zweiten Bemerkung will ich aber auf einen objektiven Fehler in der Berichterstattung aufmerksam machen, der unbedingt richtig zu stellen ist. Aus dem Artikel wird allerdings nicht deutlich, ob dieser Fehler Gerd Gies oder dem Autor des Artikels anzulasten ist. Im letzten Absatz ist zu lesen: „Der Gies-Vortrag endete mit der dritten Strophe der deutschen Nationalhymne.“ Das ist falsch, denn die deutsche Nationalhymne besteht nur aus einer Strophe. Ich will weder über die Sinnhaftigkeit der jetzigen Nationalhymne reden noch die Widerstände gegen sie referieren, Tatsache ist, dass die dritte Strophe des Deutschlandliedes die Nationalhymne ist. Das gilt seit den 50er Jahren in der BRD (alt) und wurde 1990 durch das Bundesverfassungsgericht bestätigt.

Trotz anderer Bemühungen galt das dann auch für das wiedervereinigte Deutschland. Also als Fazit gilt: Man kann die dritte Strophe unserer Nationalhymne weder singen noch rezitieren, weil es keine dritte Strophe gibt. Unsere Nationalhymne ist die dritte Strophe des Deutschlandliedes und besteht demnach nur aus einer Strophe. Der Text lautet: Einigkeit und Recht und Freiheit für das deutsche Vaterland, danach lasst uns alle streben brüderlich mit Herz und Hand. Einigkeit und Recht und Freiheit sind des Glückes Unterfand. Blüh‘ im Glanze dieses Glückes, blühe deutsches Vaterland!

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