Uwe Tiedke kritisiert mögliches Verbot von Gartenfeuern und fordert ein Umdenken

„Da fehlen mir fast die Worte“

Uwe Tiedke aus dem Salzwedeler Ortsteil Liesten macht sich Gedanken zur Idee, Gartenfeuer künftig noch mehr einzuschränken oder ganz zu verbieten:.

Leserbrief

Werter Herr Landrat! Mit großer Bestürzung habe ich in der Altmark-Zeitung gelesen, dass Sie erwägen, ein Verbot zum Verbrennen von Gartenabfällen auszusprechen. Ich bitte Sie von diesen unsinnigen Plänen Abstand zu nehmen. Gerade die Bewohner auf dem Land sind auf die jetzige Regelung angewiesen.

Ich wohne in Liesten auf meinem etwa ein Hektar großen Hof. Dort habe ich über die Jahre über 40 Bäume angepflanzt. Ebenfalls bewirtschafte ich einen Garten für den individuellen Obst- und Gemüsebedarf. Zweimal im Jahr ist es dann soweit. Der gesammelte Baumschnitt, trockenes Kartoffelkraut oder die verwelkten Blumen landen auf dem Feuer. Ein circa 2,50 Meter hoher Haufen brennt bei günstigem Wind lichterloh.

Es werden Freunde eingeladen, es wird gegrillt und ein Feierabendbier getrunken. Bei herrlicher Atmosphäre werden unseren Kindern Geschichten von früher erzählt. Warum wollen Sie uns auch noch die letzten schönen Momente im Dorfleben zerstören? Sollen sich unsere Kinder später vom Dorf abwenden und in Städte ziehen? Ohne solche Momente in der Kindheit wird es sicher leichter, dem Dorf den Rücken zu kehren. Wir haben doch schon fast alles hier verloren. Kein Arzt, kein Konsum, kein Kindergarten, keine Gaststätte und wahrscheinlich auch bald kein Waldbad mehr. Alles das hatten wir hier mal.

Ist das ein erstrebenswertes Ziel Ihrer Politik? Ich hoffe, dass Sie sich besinnen und dieses Verbot nicht auf den Weg bringen. Auch kann ich nicht alles anfallende Gut zur Deponie oder zum Osterfeuer bringen. Dann müsste ich mir einen Traktor mit Hänger zulegen, um alles wegzufahren.

Und dann die Sache mit dem Feinstaub. Da fehlen mir fast die Worte. Ich glaube, dass jeder Gartenbesitzer mehr Sauerstoff mit seinen Pflanzen und Bäumen produziert als Feinstaub mit einem Gartenfeuer. Andererseits appelliere ich aber auch an alle Gartenbesitzer: Achtet beim Anzünden auf die Windrichtung und nebelt nicht das ganze Dorf ein. Jeder muss ein bisschen mehr Rücksicht auf die Nachbarn nehmen. Dann las ich in dem Artikel noch, das Sie überlegen, Biotonnen für Laub bereitzustellen. Wissen Sie eigentlich, was Sie da vorhaben? Von September bis Ende Dezember beseitigen wir hier Massen von Laub. Das meiste ist Gemeindelaub, das nur teilweise von der Stadt beseitigt wird. Wieviele Tonnen wollen Sie hier aufstellen 50, 200 oder noch mehr? Schildbürgerstreiche nennt man das wohl. Ich hoffe, das ich Sie mit meinen Ausführungen zum Umdenken angeregt habe.

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