Leserbrief

„Falsches Signal kann fatale Folgen nach sich ziehen“

Zum Start des ersten Teils der Umgestaltung der Verwaltung der Verbandsgemeinde Arneburg-Goldbeck äußert sich Romuald Maier aus Osterburg („Das wird Diskussionen hervorrufen“, AZ vom 6.  März 2019):

Unabhängig davon, wie treffend der Artikel das wiedergibt, was die zitierte Verwaltung tatsächlich vorhat, wird durch dessen Tenor doch mindestens ein Kommunikationsproblem deutlich. Denn sollte das alles so gemeint sein, wie es geschrieben steht, kann man schon aufgrund der tragenden Begrifflichkeit annehmen, dass die geplanten Maßnahmen im Kontext einer nicht mehr zeitgemäßen Denkweise reflektiert werden. Wenn dann auch noch von Reform gesprochen wird, kann das fatale Konsequenzen für die Zukunftsfähigkeit der betroffenen Region haben.

In einer von Dynamik geprägten, komplexen Gesellschaft geht es nicht mehr darum, ein Primat von „Sachbezogenheit” oder „Personengebundenheit” zu denken oder gar zu fordern. Auch geht es nicht mehr um eine „effiziente Aufbau- und Ablauforganisation”. Vielmehr hängt der Erfolg zukunftsgerichteter Organisationsentscheidungen davon ab, inwieweit Aspekte von Statik und Dynamik dort berücksichtigt werden, wo sie jeweils ihre Domäne haben. Dass eine diesbezügliche Einordnung auch noch laufend überprüft werden muss, macht die Angelegenheit nicht einfacher.

Gerade bei komplexen dynamischen Problemen steht nicht das unbekannte „Wie” einer möglichen Lösung im Zentrum, sondern das „Wer”.

Wenn man in diesem Kontext dem historisch gewachsenen Ruf nach Sachlichkeit und Objektivität folgt und versucht, neue Prozesse zu schaffen oder gar alte zu optimieren, wird man fast zwangsläufig scheitern. Generell sollte man im Zeitalter der digitalen Transformation auch bedenken, dass Sachorientierung in letzter Konsequenz Automatisierung ohne wesentliche Beteiligung von Menschen an den Arbeitsprozessen bedeuten wird.

Die öffentliche Verwaltung wird aufgrund der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen schon in naher Zukunft damit konfrontiert sein, ihre klassisch hierarchische Organisation mit komplementären Konzepten wie zum Beispiel agiler Teamorientierung zu durchsetzen. Das auf den ersten Blick vielleicht naheliegende und leicht vermittelbare Ziel, „die Struktur in den Büros der Verwaltung von einer personengebundenen zu einer sachbezogenen Organisation umzugestalten”, ist jedenfalls das falsche Signal und kann fatale Folgen nach sich ziehen, wenn es um eine zukunftsfähige und sozialen Bedürfnissen gerecht werdende Reform der Verwaltung gehen soll.

Romuald Maier, Osterburg

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