„Einfach übersehen“

Betr: Gedenkveranstaltung zum Jahrestag des Feldscheunen-Massakers in Gardelegen am 13. April 1945 (AZ vom 14. April 2012). Dazu schreibt Dr. Herbert Becker, Gardelegen:.

„Frau Kunert (MdB/Die Linke) erklärte in ihrer Gedenkansprache, es sei ihr immer noch unbegreiflich, wie es denn geschehen konnte, dass der seit 1962 im Jekami-Modus („Jeder kann mitmachen“) als „Hauptverantwortlicher“ des Massakers von Gardelegen beschuldigte Gerhard Thiele immer unbehelligt geblieben sei in der BRD.

Nun, mich beschäftigt seit 1976 die Aufklärung des Geschehens. Die „Fahndung“ nach Thiele, das ist eine sehr lange, sehr verwickelte und sogar sehr spannende Geschichte. Aber soviel – selbstverständlich Beweisbares – kurzgefasst: Eine Person mit der sozialen Kennung „Gerhard Thiele, Ex-NSDAP-Kreisleiter von Gardelegen“ hat es von 1946 bis 1997 nicht gegeben auf der ganzen Welt. Eine Enttarnung der Person mit der sozialen Kennung „Gerhard Lindemann, Ex-Oberleutnant der Wehrmacht und Ex-Schauspieler“ als „Gerhard Thiele“ wäre 1962/63 möglich gewesen. Aber die wenigen Menschen (übrigens Funktionsträger in den staatlichen Organen der DDR, nicht der BRD), die eine Flut von Informationen in Sachen „Thiele“ zu bewältigen hatten, haben seinerzeit die eine einzige kleine Spur in Richtung „Thiele“ einfach übersehen. Sie haben eine Information unter zahlreichen Informationen im Vorwärtsgang des Handelns einfach anders gelesen als es jetzt, im Nachgang der Analyse, möglich ist. Und in der BRD verfügte man zu keinem Zeitpunkt über eine Spur zu „Lindemann“ alias Thiele, denn es gab keinen Informationstransfer zwischen den handelnden Personen in der DDR und der BRD.

Hinterher ist man immer schlauer, sagt man.

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