Antrag auf Abschaffung des Marketingausschusses ist ein großer Fehler

„Effektiv wie jeder andere“

Karl-Heinz Reck aus Salzwedel, Kultusminister a. D. , ist gegen eine Abschaffung des Ausschusses für Stadtmarketing, Tourismus und Kultur. Er ist der Meinung, dass der Ausschuss den Stadtrat weiterhin fachkundig beraten muss.

Leserbrief

Der Ausschuss für Stadtmarketing, Tourismus und Kultur soll abgeschafft werden. So will es die SPD dieser Stadt und die Freie Liste „Für Salzwedel“. Ich halte das für einen Fehler und will fünf Gründe dafür nennen.

1. Bei „quadratisch, praktisch, gut“ weiß man seit ungefähr fünfzig Jahren um welches Produkt es sich handelt. Salzwedel als „Produkt“ hat ähnliches Potential wie die beworbene Schokoladensorte, wird aber weit schlechter beworben. Stadtmarketing ist in den letzten Jahren nicht über den Zusatz „Baumkuchenstadt“ hinausgekommen, und dieser Vorschlag kam nicht einmal aus der Verwaltung sondern aus den Reihen des Stadtrates. Stadtmarketing ausbauen, ihn als Teil von Wirtschaftsförderung begreifen wäre das Gebot der Zeit.

2. Tourismus ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für Salzwedel. Tourismus soll ausgebaut werden und dafür gibt es gute Ansätze. Es wäre nicht verständlich, warum man verhindern will, dass diese positive Entwicklung öffentlich in einem Ausschuss begleitet wird.

3. Ein reichhaltiges Kulturangebot ist ein Markenzeichen unserer Stadt. Durch die finanzielle Situation der Stadt wird es nicht leicht sein, dieses Angebot zu sichern. Es wäre ein fatales Signal, wenn gerade jetzt ein Ausschuss, der Sprachrohr für Kunst und Kultur ist, abgeschafft wird.

4. Die Abschaffungsantragsteller begründen ihren Antrag damit, dass ein entsprechendes Amt in der Verwaltung nicht mehr vorhanden ist. Wie blöd ist denn das! Ausschüsse sind dafür da, um in ihrem Verantwortungsbereich den Stadtrat fachkundig zu beraten und damit Sachentscheidungen kompetent vorzubereiten. Dafür ist es völlig egal, ob es ein entsprechendes Amt mit dem gleichen Namen gibt.

5. Es wird behauptet, dass der zum Abschuss vorgeschlagene Ausschuss „doch wohl nicht so viel umwerfendes“ geleistet habe. Dem muss ich als ehemaliges Mitglied widersprechen. Dieser Ausschuss war genauso effektiv wie jeder andere. Ob das nun ein Qualitätsmerkmal ist, lasse ich offen. Nimmt man die Begründung der Antragssteller ernst, müsste eigentlich der Finanzausschuss der Stadt abgeschafft wird, denn der muss doch wohl, nach der Logik der SPD und der Freien Liste, für die Finanzsituation der Stadt verantwortlich sein.

Die SPD schreibt in ihrem Wahlprogramm für die Landtagswahl im März, dass Sachsen-Anhalt mehr kann. Weiter heißt es: „Sachsen-Anhalt ist reich an Kultur und reich durch Kultur. Diesen Reichtum wollen wir pflegen.“

Die SPD in Salzwedel interpretiert das auf ihre Weise. Möge die Mehrheit der Stadträte klüger sein als die der Antragssteller.

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