Ninett Schneider aus Winterfeld zum Bücherbus-Kommentar vom Kreistagsvorsitzenden und Bürgermeister Heinrich Schmauch

„Diese Äußerung ist für mich nicht nachvollziehbar“

Die Äußerung des Kreistagsvorsitzenden und Bürgermeisters von Beetzendorf, Hans-Heinrich Schmauch, zum Thema Bücherbus, hat Ninett Schneider aus Winterfeld sehr betroffen gestimmt:.

Leserbrief

Dass Diskussionen geführt werden, ob und in welcher Form dieses Angebot zukunftsfähig gestaltet werden kann, ist in Zeiten knapper Kassen legitim. Als Kreistagspräsident zu äußern, „die Diskussion rege ihn auf“, finde ich schon etwas vermessen. Geht es doch darum, nach Lösungen und Wegen zu suchen, wie gerade solch ein Angebot in unserer strukturschwachen und von demographischer Entwicklung stark betroffenen Region trotz aller Schwierigkeiten umgesetzt oder erhalten werden kann.

In seiner Funktion als Bürgermeister der Gemeinde Beetzendorf kann ich die Äußerung zwar nicht billigen, jedoch nachvollziehen. Beetzendorf ist in der positiven Lage, eine eigene Bibliothek finanzieren zu können. Aber als Kreistagspräsident ist diese Äußerung für mich nicht nachvollziehbar. Handelt es sich doch um eine Stadt- und Kreisbibliothek! Und insbesondere mit dem Instrument „Bücherbus“ wird sie genau der Aufgabe „Kreisbibliothek“ gerecht ... In der Diskussion geht es nicht um einen Luxus, den sich die Stadt Salzwedel leistet, sondern darum, den elementaren Zweck, das Angebot von Bildung innerhalb des gesamten Kreises, zu gewährleisten. Und das sollte entsprechend vom Kreis („Kreisbibliothek“) unterstützt werden.

Dieses Angebot dient der Leseförderung und wird neben den erwachsenen Bürgern insbesondere von den Kitas sehr intensiv in Anspruch genommen. Die Kinder der Einrichtungen werden an das Lesen herangeführt. Sie freuen sich, ein Buch ausleihen und dies im Anfang ansehen und vorgelesen zu bekommen und später selbst lesen zu dürfen! Hier wird der Grundstein gelegt für das künftige Leseverhalten. Auch Kinder aus sozial schwachen Elternhäusern profitieren hiervon. Wenn wir diesen Service nur in sehr vereinzelten Orten anbieten, die aufgrund der finanziellen Ausstattung oder ihrer Größe in der glücklichen Lage sind, sich eine eigene Bibliothek vorhalten zu können, entsteht für mich die Eindruck, dass wir damit auf dem Wege sind, Bildung für Privilegierte vorzuhalten. Als Privilegien definiere ich in diesem Falle, in verhältnismäßig großen Zentren zu leben, mobil zu sein.

Täglich beschäftigen sich unsere Entscheidungsträger mit Begriffen wie „demographischer Wandel“ und „strukturschwache Region“. Im Zuge der Findung von Lösungsansätzen dieser Problematiken wird selbst bei den Kindertagesstätten nach mobilen Alternativen gesucht, weil es nicht finanzierbar ist, in jedem kleinen Ort Kita zu unterhalten. Es laufen Pilotprojekte, bei denen geförderte Busse eingesetzt werden, weil das günstiger ist ...

Es gibt immer mehr Rentner, deren Mobilität eingeschränkt ist. Immer weniger Rentner haben das Glück, dass die eigenen Kinder in der Nähe sind, um für Mobilität zu sorgen. Hat diese Personengruppe keinen Anspruch auf ein kleines Stück Kultur? Wir wollen nicht einmal die Diskussion zulassen, wie wir das Thema Bildung und Kultur für die Zukunft regeln? Warum darf nicht darüber diskutiert werden, zentrale Bibliotheken zu fördern und durch Mobilität diese Leistung der Breite zur Verfügung zu stellen? Ist Bildung diese Diskussion nicht wert, weil sie aufregt und nervt? Ist es besser, Sozialarbeiter zu finanzieren, die sich um Kinder und Jugendliche kümmern, die es nicht gelernt haben, sinnvoll mit ihrer Freizeit umzugehen? Weil es versäumt wurde, sie an Angebote wie Lesen und Sport heranzuführen? Natürlich sollte dies in erster Linie die Pflicht der Eltern sein. Aber meiner Ansicht nach ist es durchaus wert, darüber zu diskutieren, ob und wie hier Verantwortung übernommen werden kann und muss, sicherlich immer unter Berücksichtigung der finanziellen Möglichkeiten.

Leserbriefe geben die Meinung des Verfassers wieder. Anonyme Briefe werden nicht veröffentlicht. Kürzungen behält sich die Redaktion vor.

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