Lothar Zahn kritisiert den Umgang der demokratischen Parteien mit dem 8. Mai

„Die alte, kalte Gleichgültigkeit“

Landkreis. Lothar Zahn aus Polkau äußert sich zum 8. Mai, dem Tag der Befreiung. Zahn ist Mitglied im Jugendaustausch- und Kulturverein „Die Schmiede“ mit Sitz in Polkau.

Jedes Jahr wird bei uns der Mutter-Gedenktag gefeiert, dieses Jahr fällt der Muttertag auf Sonntag, den 8. Mai. Der 8. Mai ist seit 1945 der Tag der Befreiung, an diesem Tag wurde Europa von dem menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft der Deutschen befreit und ist in verschiedenen europäischen Ländern ein Gedenktag. Warum wird bei uns im Landkreis Stendal der Tag der Befreiung nicht öffentlich von den demokratischen Parteien zelebriert? Gerade in einer Zeit, in der der Nationalismus in den Parlamenten salonfähig wird, um wieder Angst, Hass und Ausgrenzung zu schüren, wäre das von Nöten.

In den dunklen Jahren der deutschen Vergangenheit und in der heutigen Zeit, wo abertausend Menschen aus Diktaturen und Kriegsgebieten flüchten, sind es wieder die Frauen und Mütter, unter anderem aus Afghanistan und Syrien, die den größten Teil der Last tragen. (...)

2016 gibt es immer noch viele Formen, das Gewissen abzulenken, nicht zuständig zu sein, wegzuschauen, zu schweigen, wenn wir Menschen als Mitbürger aufnehmen, die aus Kriegsgebieten geflüchtet sind. Die alte, kalte Gleichgültigkeit und versteckte Intoleranz reicht bis hin zu offenem Hass der völkischen Altmärker und Neonazis bei den wiederkehrend stattfindenden Demonstrationen in Stendal. (...)

In unserer Einheitsgemeinde sind keine Aktivitäten von Honoratioren der Hansestadt Osterburg am 8. Mai zur schmerzhaften Geschichte der Osterburger Partnerstadt Wielun in Polen veröffentlicht worden. (...)

Anlässlich des 75. Jahrestages der Bombardierung Wieluns 2014 reisten eine vierköpfige Delegation und ein Ehemann als umsorgte Gäste für mehrere Tage nach Wielun, der Osterburger Gastredner sagte bei einer der Festsitzungen in Wielun: „So brutal wie die Wehrmacht mit der Zerstörung Wieluns diesen Krieg begann, so unvorstellbar brutal und unmenschlich wütete sie in den folgenden Kriegsjahren weiter.“ Gut geredet, wo aber bleibt heute in Osterburg das Erinnern an die Zerstörung der Partnerstadt Wielun in Polen durch deutsche Nazihorden?

Deshalb gehe ich am Sonntag zu je einem Gedenkstein in Osterburg und Seehausen. (...) Wer Lust hat, am 8. Mai für einige Minuten als Mutter dabei zu sein, ist willkommen. Ich werde in Osterburg um 10.30 Uhr am Mahnmal beim Kreisverkehr (Jobcenter) einige Blumen niederlegen. Es gibt keine Reden, kein Transparent, es ist keine Kundgebung, es soll eine lebendige Begegnung der Besinnung an einem öffentlich zugänglichen Mahnmal werden. Um 11 Uhr werde ich auch das Mahnmal im Schillerhain in Seehausen besuchen.

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