„Der revolutionäre Geist hat sich vor 20 Jahren erschöpft“

Das trübe Wetter regt Eckhard Schröter aus Diesdorf zum Nachdenken an. Diese Gedanken hat er als Leserbrief der Altmark-Zeitung geschickt:

Regenwetter im September – die rechte Zeit, Unerfreuliches aufzuarbeiten. Zeit des Nachdenkens über die Vergänglichkeit der Dinge, leider auch der schönen.

Immer mehr, immer schneller, immer besser, größer, technischer. Immer weiter weg von der Natur, vom natürlichen Verhalten der Menschen untereinander. Welch ein unsinniger Wettlauf! Warum sieht eigentlich der Politiker, der Konzernchef, der Banker, ja sogar der Wissenschaftler einzig und allein in immer schnellerem Wachstum der Wirtschaft, d.h. in der Produktion von Waren und Dienstleistungen, den Ausweg aus der permanent vorhandenen Krise unserer Zivilisation, wenn dann der geschaffene Mehrwert sowieso und mit voller Absicht ungerecht verteilt wird?

In der Frage liegt auch schon die Antwort. In der ungebremsten Anhäufung von Kapital auf den Konten der sowieso schon übersättigten kleinen Minderheit auf unserem Planeten. Die Gier nach immer mehr ist das Markenzeichen der Reichen.     Uns, den kleinen, fleißigen Arbeitern, die mit Hand und Kopf den materiellen Reichtum erst schaffen, drängt man mit Hilfe der obrigkeitshörigen Medien in die Ecke der „Neider“. Wir sollen ein schlechtes Gewissen haben! Denn Neid ist ja ein negativ besetzter Begriff. Also schön den Mund gehalten und bitte zur nächsten Wahl die Parteien gewählt, die im Bundestag mit Hilfe sogenannter „Lobbyisten“ der verlängerte Arm der Konzerne sind.

Liebe Leute, seht euch doch im Fernsehen die ach so beliebten Talkshows an. Dort werdet ihr aufgeklärt von bestellten und programmierten Dummschwätzern, die sich mit gedrechselter Wortwahl Scheingefechte liefern, dass euch Hören

und Sehen vergeht. Im wahrsten Sinne des Wortes. Eine der vielen Möglichkeiten des Fernsehens, den deutschen Michel nach allen Regeln der Kunst zu verscheißern. Bloß nicht anfangen zu denken! Und wenn, dann nicht zu Ende.

Eine Revolution im Sinne von Veränderung des bestehenden Systems mit Mitteln der Gewalt wie 1789 in Frankreich, 1848 in Deutschland oder 1917 in Russland ist überholt und wird es so auch nicht wieder geben. Zumindest nicht im europäischen Raum. Friedlich, wie 1989/90 in der DDR? Zu umständlich. Wer soll denn das Rad in Gang setzen? „Wir sind das Volk“ wird nicht mehr gern gehört.

Dieser Schlachtruf war nur gut vor dem Anschluss an das gelobte Land. Der revolutionäre Geist hat sich vor 20 Jahren erschöpft, als es noch relativ leicht war, einem abgewirtschafteten Staat den Todesstoß zu versetzen. Heute hätten wir theoretisch andere Mittel, uns zu wehren gegen Unrecht. Über Wahlen und Einsicht in die Programme der Parteien. Gewinnen dann wieder die Etablierten – dann haben wir es nicht anders verdient und uns bleibt nur die Hoffnung auf mutigere Generationen.

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