„Das ist das falsche Gefühl“

Waltraut Reinke aus Salzwedel hat die Hochwasserregion im Landkreis Stendal besucht und weiß: Gäste sind gerade jetzt enorm wichtig.

Leserbrief

Mit tiefer Betroffenheit verfolgten wir in den Medien die Berichte über die Elbe-Flut. Die Menschen schufteten bis zur Erschöpfung und viele müssen auch heute noch um ihr Hab und Gut bangen. Mich als „Elbe-Kind“ zieht es immer wieder an diesen herrlichen Fluss, auch wenn er seine Unbilden zeigt. Katastrophentouristen wollten wir nicht sein, doch die Neugier ließ uns nicht los. So fuhren wir über Bömenzien in Richtung Wittenberge und weiter in die Prignitz, wo wir jedes Mal wieder die herrlichen Alleen bewundern. Dieses mal war alles anders. In Elbnähe konnte man sich auf einem anderen Planeten wähnen.

Wir fuhren vorbei an vielen kleinen, gemütlichen Restaurants. Vor längerer Zeit hatten wir schon mal Quartier im „Alten Hof am Elbdeich“ und hier sollte es auch wieder sein. Bald hatten wir die Biegung entdeckt. Auf der Terrasse saßen nur vier Gäste und die nette Serviererin freute sich, dass sich doch noch ein paar Leute einfanden. Wir unterhielten uns mit der Chefin und sie erzählte uns, dass sie Glück hatten und trocken geblieben sind – nur die Gäste fehlen. Ich versuchte, unseren Standpunkt, bzw. unsere Befindlichkeit oder auch Unsicherheit auszudrücken. Sicher war es auch ein schlechtes Gewissen.

Die Cefin sagte uns: „Das ist das falsche Gefühl, wir gehen pleite, wenn keine Gäste kommen.“ Wir versprachen, Werbung zu machen und von der schönen Gegend überall zu erzählen und setzten uns noch eine Weile auf eine der vielen Bänke auf dem Deich und hatten die Elbe vor uns zu Füßen. Man sah, wie weit das Wasser schon gefallen war und die wunderschönen Baumgruppen spiegelten sich im Elbewasser.

Leserbriefe geben immer die Meinung des Verfassers wieder. Die Redaktion behält sich Kürzungen vor.

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