AZ-Leserbrief

D-Mark und Reisen

+
(Symbolbild)

Karl-Heinz Reck aus Salzwedel macht sich Gedanken über den 230. Jahrestag des Sturms auf die Bastille und den deutschen Einigungsvertrag:

Ich (wir) hatten das Glück, in den vergangenen drei Jahren zwei Mal am 14. Juli, am Nationalfeiertag der glorreichen Nation Frankreich in Frankreich, teilnehmen zu dürfen. Vor zwei Jahren in Granville in der Normandie und dieses Jahr in La Rochelle in der Bretagne.

Was wir erleben durften, war ein Freudenfest für die Franzosen mit den Franzosen und ihren Gästen. Jedem ist bewusst, dass dieser 14. Juli 1789 (Sturm auf die Bastille – Beginn der französischen Revolution) die Welt verändert hat. Nicht jeder Franzose hat sicher Liberté-Égalité-Fraternité beim Feiern seines Nationalfeiertages im Kopf, doch jeder Franzose kennt die historische Bedeutung. Man erlebt heute hier in La Rochelle Ausgelassenheit, Freude, Lachen, Essen und Trinken, Feuerwerk und eine Stimmung, die für mich bis heute unvergleichlich ist. Frankreich ist für mich das Land der erfolgreichen Revolution. Unser Nationalfeiertag ist der 3. Oktober. Was ist da eigentlich passiert? Was gibt es da eigentlich zu feiern? An diesem Tag ist der sogenannte Einigungsvertrag zwischen der BRD und der DDR unterzeichnet worden. Ein Vertrag, der zum Inhalt hatte, dass die DDR an die BRD angegliedert wurde. Von Augenhöhe bei den Vertragsverhandlungen keine Spur.

Wir, die DDR-Leute, haben die D-Mark erhalten und die Möglichkeit, nach Frankreich zu fahren, wenn man das Geld hat und auch sonst wohin. Was wir verloren haben, muss jeder für sich selbst entscheiden. Ich wäre lieber Franzose. Ich weiß, viele werden sagen, geh doch hin. Wer Ahnung hat weiß, dass das nicht so einfach ist. Trotzdem, ich würde lieber die Marseillaise singen als die dritte Strophe eines Liedes, das in der ersten Strophe mit „Deutschland, Deutschland über alles“ beginnt.

Karl-Heinz Reck, Salzwedel

---

Leserbriefe geben die Meinung des unterzeichnenden Verfassers wieder, mit der sich die Redaktion nicht immer identifiziert. Anonyme Briefe werden nicht veröffentlicht. Die Redaktion behält sich Kürzungen vor.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare