Christfried Lenz über Schweinehaltung in Stapen und Binde

„Behörden-Muskelspiele“

Christfried Lenz aus Apenburg äußert sich über Massentierhaltung in Binde und die Rettungsaktion des Vereins Rüsselheim in Stapen, der rund 140 Mastschweine vor der Verwertung bewahren will:.

Leserbrief

Im Fall der „Schweine-Aktion“ der Tierschutzinitiative „Rüsselheim“ in Stapen lassen Behörden ihre Muskeln spielen. Für den Groß-Agrarindustriellen Straathof in Binde sind diese Muskeln wohl nicht dick genug. Unbehelligt darf er Anwohner durch den Gestank tausender in quälenden Bedingungen als reine „Fleischerzeugungsapparate“ benutzter Schweine in die Verzweiflung treiben, den Status von Arendsee als Luftkurort gefährden, schwarz bauen...

Die Bürgerinitiative gegen Massentierhaltung in Binde musste Luftaufnahmen vorlegen, um die zuständige Behörde vom Vorhandensein der nicht beantragten und nicht genehmigten Gebäude zu überzeugen – was dann allerdings nur die nachträgliche Genehmigung auslöste. Hat die BI für ihre Amtshilfe wenigstens die Kosten des Charterflugs ersetzt bekommen?

Die Stadt Arendsee erwägt wegen dieser Genehmigung nun eine Klage gegen das Landesverwaltungsamt. Hierbei gibt es aber ein Problem: Rechtsanwälte sind teuer! Was nutzt der Grundsatz „Vor dem Gesetz sind alle gleich“, wenn die Inanspruchnahme dieser Gleichheit Geld kostet, und zwar so viel, dass es eine ganze Kommune, die für das Wohlergehen tausender Menschen verantwortlich ist, möglicherweise überfordert?

Den Film „Der Schweinebaron“ habe ich gesehen und kann ihn nur wärmstens empfehlen. Neben seinem Inhalt ist aber auch noch folgendes bemerkenswert: Der Film spielt in Ostdeutschland, nicht nur in Binde, sondern auch noch an etlichen anderen Orten, von wo es ebenfalls haarsträubende Erfahrungen mit Straathof zu berichten gibt. Ausgestrahlt wurde der Film aber vom Westdeutschen Rundfunk! So hängt es also wieder von tatkräftigen Menschen ab, diesen Streifen auch den Betroffenen bekannt zu machen, also in Ostdeutschland.

Wäre es nicht angebracht, öffentliche Vorführungen dieses Films zu organisieren und hierzu Vertreter der betroffenen Behörde und Politiker zur Diskussion einzuladen zum Thema Massentierhaltung und auch zum Thema Rechtswesen? Einstweilen kann ihn jeder für sich im Internet anschauen unter www.wdr.de/tv/diestory/sendungsbeitraege/2013/0114/schweine.jsp.

Leserbriefe geben die Meinung des unterzeichnenden Verfassers wieder, mit der sich die Redaktion nicht immer identifiziert. Anonyme Briefe werden nicht veröffentlicht. Kürzungen behält sich die Redaktion vor. Alle Leserbriefe auch unter www.az-online.de.

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