Martina Herzog-Witten über Hähnchenmast, Gesetz und Moral

„Anschauliche Beispiele“

Zum geplanten Hähnchenmaststall in Neuekrug sowie zum gestrigen Leserbrief von Steffen Schulze aus Höddelsen äußert sich Martina Herzog-Witten aus Trippigleben.

Leserbrief

Schade wirklich, dass nicht alle Höddelsener und, weil es ja sicher auch kein unzulässiger Grenzübertritt gewesen wäre, auch nicht sämtliche Nettgauer, Bergmoorer, Dülseberger und Reddigauer zur Veranstaltung anlässlich des geplanten Geflügelstalls mit hoher Besatzdichte eingeladen waren. So hätten sich gleich alle informieren oder zumindest inspirieren lassen können, zu welchen Ungewissheiten man sich vielleicht doch noch ein wenig mehr erkundigen wolle, um sich rechtzeitig eine Meinung bilden zu können, bevor es schmerzhaft wird. Obwohl ich jetzt auch nicht aus Höddelsen stamme oder dort wohnhaft wäre, erlaube ich mir, einige Fragen zu stellen: Der Leserbriefschreiber vom 11. Dezember formuliert sinngemäß, es sei auf moralisch / ethische Einwände verwiesen worden, welche er selbst eigentlich respektiere, es sei aber nun mal vom Gesetz her möglich, so etwas zu bauen und eine derartige Tierhaltung zu betreiben und dafür sei eben kein Grund gegeben, den Investor als einen schlechten Menschen zu bezeichnen und das Vorhaben zu verteufeln. Ferner seien ja viele hungrige Mäuler mit Hähnchenfleisch zu stopfen, deren Hunger allein mit derartigen Fleischproduktionsanlagen zu stillen sei.

Abgesehen davon, ob es nicht doch gesetzliche Hindernisse gibt, stelle ich jetzt meine Fragen:

1.) Sie würden also moralisch verwerfliche Zustände allein durch ihre vermeintliche juristische Unanfechtbarkeit als gerechtfertigt ansehen? Nun ja, auch die Geschichte Deutschlands bietet anschauliche Beispiele dafür, was dann alles möglich ist.

2.) Glauben Sie wirklich, dass mit dem Fleisch von Hähnchen oder Puten, die für den Aufbau ihres Körpers den mehrfachen Energiewert an Futter mit hochwertigem Eiweiß zu sich nehmen mussten, als ihr Fleisch hergibt, mehr Menschen satt zu bekommen sind?

Aber es ging ihnen ja nicht um den Hunger in der Welt, es ging um den „Hunger“ nach Geflügelfleisch. Ich kann Sie beruhigen, der ist nicht so groß, wie er herbeigeredet wird, insbesondere, weil eine zunehmende Zahl Menschen sich zunehmend berechtigte moralische Fragen stellt und dies auch noch ihr Handeln beeinflusst. Unter anderem, wie glyphosatbedingte Missbildungen und Erkrankungen verschiedenster Art in Südamerika mit Gensoja und unser Art des Fleischkonsums zusammenhängt. Dann schreit der Maststall-Investor nach dem Staat, damit der Steuerzahler über Exportsubventionen den Preis hier auf einem Level hält, aber in Afrika den Kleinbauern jegliche Rendite zunichte macht. Ja wer hätte das gedacht, wenn der Maststall in das verschlafene Altmarkeckchen kommt, dann avanciert Höddelsen zum Weltschicksalsort!

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