Anwohnerin aus Insel beklagt: „Werden von der Politik im Stich gelassen“

„Angst sitzt weiter im Nacken“

Insel. Birgit Weingart aus Insel äußert sich zur Demonstration am Sonnabend:.

Dazu möchten wir das Bild, was nun von uns in der Presse steht, ein wenig anders darstellen. Vor der Versammlung wurden wir von Herrn Romanowski und Herrn Heinrichs darauf hingewiesen, dass die Polizei eine Absperrung zwischen uns, der Bevölkerung und den zu erwartenden Rechten errichten wird. Dieses wollte die Polizei den Rechten mitteilen.

Frau Weichert und ich haben der Polizei mitgeteilt, dieses Gespräch übernehmen wir selber. Warum wir das selber machten, davon wird nichts geschrieben. Unsere Begründung teilten wir der Presse und den Medien aber am Samstag auch mit. Aufgrund des enorm starken Polizeiaufgebots von mehr als 40 Polizeiautos und an die 150 Polizisten vor Ort wollten wir eine Eskalation vermeiden. Uns war nicht wohl dabei, denn bis dahin verlief jede Demonstration in Insel friedlich.

Leserbrief

Am Donnerstag auf der Ortschaftsratssitzung teilte ich meinen Unmut bereits mit, das wir in der Presse zu Unrecht nur auf eine Schiene abgestempelt werden, wir daher eigentlich nicht mehr mit der Presse reden wollten. Das dies nicht geht, wir auch die Presse brauchen, um auf unsere Lage vor Ort aufmerksam zu machen, wurde mir dann auch klar.

Am selben Abend hatte ich dann auch noch ein langes Gespräch/Interview mit dem MDR-Fernsehen. Da sprach ich abermals über unser Anliegen, unseren Ängsten und den Folgen daraus. Kein Mensch kann uns die Garantie geben, dass die beiden Ex-Straftäter nicht rückfällig werden. Die Rückfallquote von Sexualstraftätern ist bekanntlich sehr hoch.

Wir werden von der Politik im Stich gelassen, Frau Kolb fand bisher keinen Weg nach Insel. Nach fünf Monaten der Angst und unserem Aufbegehren ist das schon fatal, wenn man nicht sogar sagen kann, beabsichtigt. Die Justiz pocht auf das Grundgesetz, jeder Bürger hat ein Recht auf freie Wohnungswahl.

Das ist einfach zu sagen, aber sollten die Politiker aller Fraktionen sich nicht langsam mal um das eigentliche Thema zu schaffen machen, was passiert mit den zu entlassenen Sicherungsverwahrten? Es gibt nicht nur ein Insel, das gegen diese Willkür protestierte. Landesweit gehen die Menschen auf die Barrikaden.

Unsere Strafen für Vergewaltiger, egal ob an Kindern, Frauen und Männern, sind einfach zu schwach. Ein Mörder kann bis zu lebenslang ins Gefängnis gebracht werden, was ist mit den Vergewaltigern? Begehen diese nicht auch Mord und zwar den seelischen Mord an ihren Opfern? Die Opfer leiden ein Leben lang, dies will noch immer keiner schreiben oder lesen.

Die Angst sitzt uns weiterhin im Nacken.

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