Roger Behn sieht die Bahn gegenüber Pkw und Lkw im Nachteil

„Altmark steht auf der Bremse“

Roger Behn aus Höddelsen äußert sich zum Artikel „Natur wuchert über Visionen“, der am 19. August in der Altmark-Zeitung erschienen ist.

Leserbrief

Der kritische Bericht über die Bahnstrecke Salzwedel-Klötze erscheint mir doch sehr ungerecht. Ist die Altmark-Zeitung auf einem Kreuzzug gegen den Deutschen Bahnkunden-Verband bzw. die Deutsche Regionaleisenbahn? Warum erwähnt es die AZ mit keinem Wort, dass die Bahnstrecke bereits im Winter weitestgehend freigeschnitten wurde? So entfernte man unter anderem im Stadtbereich Salzwedel einen waren Dornendschungel bis hin zu ganzen Bäumen. Seitdem bildete sich natürlich wieder Neubewuchs. Freischneidungen im Frühjahr und Sommer unterliegen zudem Einschränkungen gemäß den geltenden Naturschutzbestimmungen.

Warum wird nicht erwähnt, dass die DRE im Gegensatz zur Deutschen Bahn keinerlei staatliche Gelder erhält, folglich alles selber bezahlen muß? Warum wird es von der AZ nicht honoriert, dass die DRE auf dieser Strecke bisher nur Ausgaben hatte? Man sollte auch bedenken, daß die DRE ein Eisenbahninfrastrukturuntenehmen (EIU) und kein Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) ist. Heißt, die DRE stellt die Strecke, fahren müssen andere. Und wenn ein EVU sich mit einem möglichen Güterkunden nicht einig wird, hat ein EIU darauf wenig Einfluß.

Darüber hinaus wird die umweltfreundlichere Schiene massiv gegenüber der Straße benachteiligt. Während ein EVU auf fast allen Strecken Maut (hier Trassenentgelte genannt) und Stationsentgelte für jeden Kilometer und Halt bezahlen muß, läuft der Bus umsonst über die Pisten, wird der LKW nur auf Autobahnen sowie vierspurigen Bundesstraßen bemautet.

Deutschland liegt bei den Pro-Kopf-Investitionen in Westeuropa am Tabellenende. In Niedersachsen sollen Strecken reaktiviert werden, Sachsen-Anhalt macht das Gegenteil. Dabei gibt es Mobilität nicht nur auf der Straße. Hier liegen die Hauptprobleme und, bezogen auf die Altmark, in der mangelnden Unterstützung für die Bahn. Die Eisenbahn hat in der Altmark keine Lobby. Die AZ schafft mit ihrem Agieren den geistigen Nährboden für Kürzungen, wie auf der Verbindung von Salzwedel nach Stendal. Jetzt wird geklagt, aber wo waren all die Klagenden vorher? Mir sind nur ganz wenige altmärkische Politiker bekannt, die sich glaubhaft für eine Verbesserung des Bahnangebotes stark machen, zu denen der Landtagsabgeordnete Hans-Jörg Krause zählt. Selbst bei B’90/Grüne scheint das Engagement für Streckenreaktivierungen in der Region begrenzt zu sein. Lüchow-Dannenberg fordert den Lückenschluß Wustrow-Salzwedel mit einer Weiterführung nach Oebisfelde, die Altmark steht auf der Bremse.

Hinter der DRE und insbesondere einem Verein wie dem DBV steckt, im Gegensatz zu einer nach Gewinnmaximierung strebenden DB, eine Menge Idealismus, eine Menge ehrenamtlicher Arbeit. Solches sollte auch von der AZ bei aller Kritik immer bedacht werden. Die AZ stößt all jene vor den Kopf, die sich in Ihrer Freizeit an den Strecken in der Altmark oder im Wendland mit Gartenscheren durch piksendes Brombeergesträuch zu kämpfen versuchen.

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