„Alles wird besser – nichts wird gut“

Die Verhandlungen über eine Rettungsdienstvereinbarung zwischen Altmarkkreis und Krankenkassen waren am 22. November gescheitert. Zum AZ-Bericht vom 24. November äußert sich Dr. med. Ilja Karl, Hausarzt und Notarzt aus Arendsee bzw. Plathe:

Bei einem entzündeten Blinddarm brauchts einen Chirurgen, OP-Schwestern, Narkosearzt, Narkoseschwester, Reinigungskraft. Beim Herzinfarkt brauchts den Notarzt, Rettungsassistenten, Intensivpflegepersonal, Kardiologen. Bei Depressionen den Hausarzt und den Psychiater, bei Erkältung den Hausarzt mit seinem Praxisteam. Habe ich jemanden vergessen? Ich vermute: Ja. Die Krankenkassen. Die operieren zwar keinen Blinddarm, fahren bei Eisglätte nicht um Mitternacht mit Blaulicht zum Infarktpatienten und kämpfen sich nicht durch die infektbedingt brechend volle Hausarztpraxis, sind aber scheinbar sehr wichtig. So wichtig, dass jetzt schon die kranken Kassen bestimmen, wie viele Leitstellen es gibt, nachdem dort schon die notärztliche Versorgung im Landkreis „geregelt“ wurde.

Weil das BGB im Sozialen nicht gilt, muss man sich um „Vertragstreue“ auch keine Gedanken machen und kann als Kasse mal eben den Kostenbeitrag für die Leitstellen nach Gutdünken zusammenstreichen.

Es ist bemerkenswert, wie die Krankenkassen, die keinerlei Beitrag zur medizinischen Versorgung leisten, über eben diese Versorgung nach Art und Umfang bestimmen. An der Frage der „Filialpraxen“ sehen wir dann, wohin es führt, wenn eben diese Kassen das Sagen haben. Dort wird dann aus Steuergeldern (943 000 Euro aus dem Sozialministerium) genau das finanziert, was aus Gründen angewandten Sozialrechts nicht erhalten werden konnte.

Dieses System ist krank. Es funktioniert nicht mehr. Solange Institutionen am Rande das Geschehen im Zentrum derart bestimmen können, ist mit einer weiteren Verschlechterung zu rechnen.

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