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5 Gründe, warum man Kinder an den Weihnachtsmann glauben lassen sollte und 4, warum es Quatsch ist

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Von: Jana Stäbener

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Sollte man seine Kinder glauben lassen, den Weihnachtsmann gibt es wirklich? BuzzFeed News sammelt Gründe dafür und dagegen.

Um kaum einen alten, weißen Mann ranken sich so viele Mythen wie um ihn: den Weihnachtsmann. Er hat viele Verwandte, das Christkind zum Beispiel oder den Nikolaus, die Dreikönigshexe Befana, oder den finnischen Joulupukki. In Amerika ist er auch unter dem Namen „Santa Claus“ bekannt. Er trägt dort einen langen Bart, isst gerne Kekse und schlüpft am 24. Dezember trotz dickem Bauch durch den Kamin und bringt die Geschenke.

Natürlich wurden diese Geschenke vorher von den Eltern ausgesucht (hier teilen 14 Leute, welche Geschenke sie früher nie bekommen und sich dann selbst gekauft haben). Die Kamin-Geschichte und die Geschenke-Fabrik am Nordpol sind also nicht mehr als eine Lüge – das wissen wir spätestens im Alter von 16 Jahren, fand eine kanadische Studie heraus. Aber sollten wir unseren Kindern verraten, dass es den Weihnachtsmann gar nicht gibt?

Mädchen trägt Weihnachtsmann-Hut und schreibt eine Wunschliste.
Sollte man sein Kind an den Weihnachtsmann glauben lassen? © javiindy/agefotostock/IMAGO

Weihnachtsmann: Sollte man sein Kind an ihn glauben lassen?

Eine Studie aus dem Jahr 2002 fand heraus, dass im Alter von vier bis sieben Jahren 80 Prozent aller Kinder an den Weihnachtsmann glaubten. Unter vier Jahren waren es sogar 100 Prozent. Als Erwachsene fällt uns das schwer, denn wir verdrehen ja schon bei Weihnachtsfilmen die Augen, wenn es nur ein bisschen unrealistisch wird. So wie bei diesen elf schlimmen Netflix-Weihnachtsfilmen – wir ranken sie hier von „geht eigentlich“ bis „oh du Schreckliche“.

Außerdem ist der Weihnachtsmann ja sowieso nur eine Erfindung von Coca-Cola, oder? Und wer lügt seinen Kindern schon gerne etwas vor? Obendrein ist der Weihnachtsmann ein alter, weißer Mann, der gar nicht zu unserer modernen Welt und Kindererziehung passt. Trotzdem findet es eine Barbara-Autorin vollkommen in Ordnung, wenn wir unseren Kindern die Weihnachtsmann-Lüge erzählen, denn sie passt in ihre Welt.

Was denn jetzt? Wir sammeln fünf Gründe, warum man seine Kinder an den Weihnachtsmann glauben lassen sollte – und vier, warum das keine gute Idee ist.

1. Der Weihnachtsmann verbindet Kinder auf der ganzen Welt.

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Der Weihnachtsmann ist nicht an eine Religion gebunden. Er ist weltweit ein Symbol für das Weihnachtsfest, egal auf welchem Kontinent es mit welchem religiösen Hintergrund gefeiert wird. Vor allem, wenn Familien nicht gläubig sind, könnte der Weihnachtsmann für sie ein Symbol für die Weihnachtsfeiertage sein, denn er verbindet Menschen und Kinder auf der ganzen Welt miteinander.

2. Weihnachten wäre ohne ihn viel zu langweilig.

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Wäre Weihnachten nicht viel zu öde und traurig, wenn Kinder wüssten, dass ihre Geschenke nicht vom Weihnachtsmann stammen? Stellen wir uns mal vor, sie wüssten, dass ihre Eltern die Geschenke total gestresst in einem überfüllten Spielwarengeschäft gekauft haben, nicht ohne sich vorher mit einem anderen Elternteil um das letzte Lego-Set zu streiten. Oder dass sie sie in Jogging-Hose auf der Couch lagen und mit einem Mausklick auf Amazon bestellt haben (mit Premium-Versand natürlich, weil Weihnachten schon in drei Tagen ist). Wäre irgendwie blöd, oder?

3. Kinder brauchen fiktive Charaktere wie den Weihnachtsmann.

Kinder sind viel fantasievoller als Erwachsene. Aber nicht nur deswegen, weil sie weniger Lebenserfahrung haben – sie machen sogar eine psychologisch belegte „Magische Phase“ durch, sagen Entwicklungspsychologen wie der Schweizer Jean Piaget. Er ordnet die magische Phase im Alter von zwei bis drei bis kurz vor Schulbeginn mit fünf oder sechs Jahren ein. Je nach Entwicklungsstand und individueller Veranlagung könne diese Zeit laut kita.de jedoch auch bis ins siebte Lebensjahr hineinreichen.

In dieser Phase ist es für Kinder also ganz normal, ja fast schon notwendig, dass sie an übernatürliche Dinge glauben. Sie spielen stundenlang und malen sich die wildesten Monster, Traumschlösser – und auch Weihnachtsmann-Geschichten aus. Der Weihnachtsmann ist in dieser Phase also mehr oder weniger die perfekte Ergänzung ihrer Fantasiewelt.

4. Der Weihnachtsmann hält die Stange hoch, für alle alten, weißen Männer da draußen.

So stellen sich viele den Weihnachtsmann vor: weiß, alt und mit langem buschigen Bart. Repräsentativ geht anders.
So stellen sich viele den Weihnachtsmann vor: weiß, alt und mit langem buschigen Bart. © Rolf Zoellner/epd/IMAGO

Ganz ehrlich: Alte weiße Männer haben es im Jahr 2022 nicht leicht. Sie bezeichnen sich oft selbst als Hassbild der „woken“ Jugend, weil sie sogar dann Schlagzeilen machen, wenn eine Frau aus dem Vorstand entlassen wird. So wie bei Donata Hopfens DFL-Rücktritt. An dem sehe man, dass „alte, weiße Männer Transformation blockieren“ schrieb ein User damals auf Linkedin.

Lange Rede, kurzer Sinn: Derzeit ist es nicht oft der Fall, dass ein alter, weißer Mann für etwas Positives steht – lassen wir also doch wenigstens dem Weihnachtsmann seinen Erfolg. Vor allem, weil Kinder ihn eben nun mal abfeiern, das schreibt auch die Autorin in der Barbara. „Weihnachtsmänner sind echt cool“, soll ihr Sohn gesagt haben. Für ihn sei er eine Art Superheld, auf einer Ebene mit Michel, Pippi, Yakari und Bob der Baumeister.

5. Das Märchen vom Weihnachtsmann kann positiv für die Entwicklung deiner Kinder sein.

Dieser Punkt knüpft an den mit der „Magischen Phase“ an. Denn in dieser lernen die Kinder laut Piaget ganz bewusst, die Grenzen zwischen Realität und Fiktion langsam aber sicher zu erkennen. Dazu gehört dann eben auch, dass sie merken: „Oh, der Weihnachtsmann ist gar nicht echt.“

In einer Studie untersuchten Wissenschaftler aus den USA, wie sich Kinder verhalten, wenn sie erkennen, dass es den Weihnachtsmann nicht gibt. Das Überraschende: Sie reagierten hauptsächlich positiv. Für sie stellt es nämlich eine Art Erkenntnisgewinn dar. Diesen hätten sie nicht, wenn ihre Eltern ihnen seit Tag eins erzählt hätten, dass es den Weihnachtsmann nicht gibt.

Aber, aber, aber: Natürlich gibt es auch Gründe, deinen Kindern nicht das Märchen vom dicken, alten Weihnachtsmann zu erzählen. Hier vier Dinge, die man bedenken sollte.

1. Der Weihnachtsmann ist eine Lüge, und lügen ist schlecht.

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Immer wieder mahnen wir Kinder dazu, nicht zu lügen. „Lügen haben kurze Beine“ ist wohl der beliebteste Spruch, den sie zu hören bekommen, wenn sie wie Pinocchio das Blaue vom Himmel lügen. Übrigens ist der „Pinocchio“ von Netflix top, genauso wie diese weiteren Märchenfilme, die nicht von Disney sind. Wenn wir also unseren Kindern ständig erzählen, es gibt einen Weihnachtsmann, dann tun wir im Grunde genommen nichts anderes. Wir lügen sie an, denn wir wissen ganz genau: Den Mann im roten Kostüm gibt es nicht.

2. Es gibt zu wenige Weihnachtsfrauen und Schwarze Weihnachtsmänner.

Was bei Punkt vier ein Argument für den Weihnachtsmann war, kann man auch anders sehen. Der Weihnachtsmann ist alt, weiß und männlich. Nicht gerade repräsentativ für unsere Bevölkerung. Vor allem dann, wenn er in Filmen oder in unnötigen Weihnachts-Specials von Filmen und Serien oft von Schauspielern dargestellt wird. „Warum gibt es eigentlich keine Weihnachtsfrauen oder Schwarze Weihnachtsmänner?“, fragt man sich da.

Vor allem, wenn man sieht, wie süß sich Schwarze Mädchen weltweit über die neue Arielle freuen, wird deutlich: Wenn wir die Geschichte rund um den Weihnachtsmann an unsere Kinder weitergeben wollen, wünschen wir uns vielleicht ein wenig mehr Diversität. Aber die, können wir ja vielleicht selbst vermitteln.

3. Der Weihnachtsmann befeuert Konsum.

Es hält sich wacker, das Gerücht, dass Coca-Cola den Weihnachtsmann erfunden hat. Doch laut NDR stimmt das so nicht. Der Weihnachtsmann geht auf den Heiligen Nikolaus zurück, in dem zwei historische Personen verschmolzen: Nikolaus von Myra und von Zion. Ein Mythos eines barmherzigen Helfers und Beschützers, der unerkannt in der Nacht Kinder beschenkt. Coca-Cola griff diesen Mythos 1931 lediglich auf und machte den Weihnachtsmann zum Werbegesicht.

Mit der Coca-Cola-Kampagne 1931 wendete sich das Bild um den Weihnachtsmann. Statt Bedürftige mit dem Notwendigsten auszustatten, steht er seitdem für Wohlstand und Geschenke, die nicht essenziell sind, sondern mit denen sich Menschen gegenseitig „nur“ eine Freude machen. Er befeuert damit Kapitalismus und Kaufwut, die in Zeiten von Klimakrise, Ukraine-Krieg und Energiesparen (hier sieben Politiker-Tipps) nicht wirklich gelegen kommen.

4. Dass der Weihnachtsmann nur die braven Kinder belohnt, ist toxisch.

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Die Erziehungsexpertin Nora Imlau ist Autorin im Bereich „bindungsorientierte Elternschaft“. Sie schreibt auf ihrem Blog, darüber, dass „der Weihnachtsmann zum Schreckgespenst“ werden kann. Etwa dann, wenn man Kindern erzählt, sie bekommen nur dann Geschenke, wenn sie brav sind. Denn auch das gehört zum Mythos um den Weihnachtsmann: Wer lieb war, wird belohnt, wer Quatsch gemacht hat, bekommt keine Geschenke von Santa Claus. Wir verraten in diesem Quiz, wo wer auf Santas Liste steht.

Laut Imlau sei das toxisch, denn es gebe „keine harmlosen Bloßstellungen, und selbst augenzwinkernd mit der Rute zu drohen oder von artigen und unartigen Kindern zu sprechen, gräbt sich tief in die Seele eines Kindes ein“. Um gesund und glücklich zu werden, bräuchten Kinder ungeteilte Bestätigung und keine Erpressung durch den Weihnachtsmann, der dafür leider die optimale Projektionsfläche biete.

Mehr Weihnachtsthemen? Hier 11 Reaktionen auf The Grinch, äh, Gerhard Schröders Weihnachtsbaum.

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