Künstlerin Jeanne-Claude gestorben

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Verhüllungskünstler Christo mit seiner Frau und Künstlerin Jeanne-Claude.

New York - Die Künstlerin Jeanne-Claude ist im Alter von 74 Jahren gestorben. Die Frau des Verhüllungskünstlers Christo erlag einem Gehirnaneurysma.

Mit der Verhüllung des Berliner Reichstags sorgten sie weltweit für Furore – Christo und Jeanne-Claude. Nun hat das Schicksal das schillernde, als unzertrennlich geltende Ehepaar auseinandergerissen. Jeanne-Claude starb am Mittwochabend 74-jährig in einem Krankenhaus in New York. Todesursache ist ein Aneurysma. Die beiden Künstler wurden am selben Tag geboren und waren seit 51 Jahren zusammen. In einer Erklärung der Familie hieß es, Christo sei tieftraurig.

Projekte sollen vollendet werden

Das Paar, das zu den größten Persönlichkeiten der internationalen Kunstszene gehört, arbeitete aktuell unter Hochdruck an zwei Großprojekten, die vollendet werden sollen: „Er will das Versprechen einlösen, das sie einander vor vielen Jahren gegeben haben: dass die Kunst von Christo und Jeanne-Claude weiterleben soll“, sagte ein Freund der Familie. Christo fühle sich verpflichtet, die Arbeiten zu beenden – „so wie Jeanne-Claude sich das gewünscht hätte“. Das Paar plante, entlang eines Flusses in den USA eine über zehn Kilometer lange Strecke zu verhüllen. Drei bis sieben Meter über dem Wasser soll eine glänzende Woge aus Gewebe entstehen, die durch Brücken, Felsen, Bäume und Lichtströme unterbrochen wird. Bei dem zweiten Projekt geht es um mehr als 400 000 gestapelte Ölfässer in den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Jeanne-Claude wurde am 3. Juni 1935 in Casablanca geboren – angeblich sogar zur selben Stunde wie ihr späterer Partner. In Tunesien und Paris lebte sie ein privilegiertes Leben und begann zunächst eine Ausbildung als Flugbegleiterin, ehe sie durch ihn den Weg zur Kunst fand. Im Jahr 1958 lernten sich Jeanne-Claude und Christo in Paris kennen. Der gebürtige Bulgare hatte den Auftrag bekommen, Jeanne-Claudes Mutter zu porträtieren. Nach einigem Hin und Her wurden Christo und Jeanne-Claude ein Paar. Doch durfte ihre Familie wegen der Standesunterschiede zunächst nichts davon erfahren. Im Mai 1960 kam Sohn Cyril auf die Welt. Zwei Jahre später folgte die Hochzeit.

Zu Superstars der Kunstszene aufgestiegen

Seither sind Christo und Jeanne-Claude zu Superstars der Kunstszene aufgestiegen. Als ihr Meisterwerk gilt die Verhüllung des Reichstags 1995: Mehr als 200 Helfer ließen das historische Gebäude Stück für Stück unter einem silbern glänzenden Gewebe verschwinden. Für die Verwirklichung hatte das Paar fast 25 Jahre gekämpft, der Bundestag genehmigte die Aktion im Februar 1994 nach langen Diskussionen. Dafür sei die Stadt „den beiden Künstlern zutiefst dankbar“, sagte Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit.

Weitere aufsehenerregende Werke entstanden etwa an der Küste von Australien, in einem Tal der Rocky Mountains und an der Brücke Pont Neuf in Paris. Das letzte gemeinsam vollendete Großprojekt waren die „Tore“ im Central Park von New York: Riesige safrangelbe Stoffbahnen waren auf einer Strecke von 37 Kilometern wehend hintereinander aufgehängt.

New York war ihre Heimat

Die Stadt war für das Paar seit 1964 zur Heimat geworden. In seinem im Süden von Manhattan gelegenen Studio hat Christo die meisten Installationen entworfen. Jeanne-Claude führte ein Stockwerk tiefer vom gemeinsamen Appartement aus Regie. Sie fertigte Neugierige ab und sorgte dafür, dass für Christos Atelierpausen frische Sojamilch und Knoblauch bereit stehen. Für das Duo – seit 1994 stehen offiziell beide Namen zusammen und gleichberechtigt für ihre Werke – war die Eigenfinanzierung eisernes Prinzip. Sponsoren und staatliche Zuschüsse lehnten die beiden ab. Allein aus dem Skizzenverkauf haben sie ihre Kunst finanziert. „Bei unserer Arbeit geht es immer um die Freiheit“, sagte Jeanne-Claude einmal. „Sie ist der Feind von Besitz und Dauerhaftigkeit.“ Ihre Freiheit wollte die Künstlerin auch im Tod behalten. Sie hat ihren Körper der Wissenschaft zur Verfügung gestellt.

Nada Weigelt

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