Mit dem Fahrstuhl auf den Mond: Frank Schätzings Thriller „Limit“

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Fiction und Realität: Mondlandung am 20. Juli 1969. Im Roman „Limit“ von Frank Schätzing fliegen schwerreichte Touristen zu eine Luxusurlaub auf den Mond. 

Frank Schätzing mag keine halben Sachen. Seine Bücher sind dick und aufwendig recherchiert und seine Plots ausufernd. Das gilt erst recht für seinen neuen Roman „Limit“.

Er ist ein mehr als 1300 Seiten starkes Beispiel für die Schätzingsche Meisterschaft, bei Dutzenden von Figuren und einer Handlung, die an etlichen verschiedenen Orten auf fast allen Kontinenten und im Weltraum spielt, den Überblick zu behalten.

„Limit“ ist eine unorthodoxe Mischung aus Science Fiction, Spionageroman und Actionthriller. Der Plot ist mindestens so an den Haaren herbeigezogen wie der in Schätzings Bestseller „Der Schwarm“.

Frank Schätzing: „Limit“

Kiepenheuer & Witsch, Köln

1320 Seiten; 26 Euro

Der Autor erzählt seine Geschichte aber auch diesmal so spannend, dass man das Buch am liebsten nicht aus der Hand legen würde. Je weiter man liest, desto mehr taucht man in Schätzings Welt ein. Irgendwann erscheint es einem nicht mehr abwegig, dass im Jahr 2025 ein stinkreicher, supererfolgreicher Unternehmer namens Julian Orley ein paar mindestens genauso stinkreiche Freunde und Bekannte zu einer Reise auf den Mond einlädt.

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Hoch geht es mit einer Art High-Tech-Fahrstuhl, oben wartet ein Schicki-Micki-Hotel namens „Gaia“. Hier vergnügt sich die illustre Schar mit gutem Essen, schlechten Scherzen, Sex in der Schwerelosigkeit oder Weltraumausflügen. Schritt für Schritt jedoch entpuppt sich der Mitreisende Carl Hanna als Fiesling mit erheblicher krimineller Energie und der Lizenz zum Töten. Gleichzeitig verdichten sich die Hinweise darauf, dass ein Anschlag geplant ist, bei dem das Hotel mit einer Atombombe zerstört werden soll.

Klingt irre? Ist auch so. Aber Schätzing verdankt seinen Erfolg gerade der Fähigkeit, die unglaublichsten Geschichten so detailgetreu zu erzählen, dass seine Romane etwas Fotorealistisches bekommen. Das Unwahrscheinliche wiegt er durch Exaktheit im Erzählen auf. Bei „Der Schwarm“ hat das so gut funktioniert, dass Schätzing heute zu den erfolgreichsten deutschen Autoren gehört: 3,8 Millionen Mal wurde der Roman über die intelligenten Lebensformen aus der Tiefsee verkauft, weltweit in 27 Sprachen übersetzt.

„Limit“ hat das Potenzial, das noch zu toppen. Das liegt auch daran, dass Schätzing den Ehrgeiz hat, nicht nur eine Science-Fiction-Geschichte zu erzählen, die auf dem Mond spielt und manchmal wirkt, als sei der Drehbuchschreiber von Raumschiff Enterprise für eine Folge lang auf Speed gewesen. Schätzings Stärke als Autor besteht gerade darin, parallel einen weiteren Handlungsstrang zu entwickeln, der noch spannender ist und noch mehr Tempo entwickelt.

Das Buch wäre trotz allem nur halb so gut, wenn Frank Schätzing nicht, wie beim „Schwarm“, eine Matrix hätte, in die all das eingepasst wird. Beim „Schwarm“ ist es etwa die Verschmutzung der Meere. Bei „Limit“ ist es die Verknappung natürlicher Ressourcen, die Jagd um die Vorherrschaft auf dem Mond und die Entdeckung neuer Energieträger wie Helium-3. „Limit“ ist deshalb mehr als ein Thriller: ein intelligenter, lesenswerter Roman mit einer filmreifen Story.

Andreas Heimann

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