Appell für mehr Rücksicht

Blinder Mann erzählt von Bahn-Fahrt: „Habe es satt ignoriert zu werden“

Untersagt eine Arztpraxis die Begleitung eines Führhundes, sind blinde Menschen in besonderem Maße benachteiligt. Ein solches Verbot ist daher nicht zulässig. Foto: picture alliance / dpa
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Eine Situation in einer Bahn machte einen blinden Mann fassungslos. (Symbolbild)

Ein blinder Mann lässt seinen Hund einen Sitzplatz in der Bahn suchen – vergebens. Jetzt twittert er über seine Erlebnisse – im Namen seines Blindenhundes. 

  • Ein ehemaliger Arzt aus London ist durch eine Augenkrankheit erblindet.
  • Der Mann versucht gemeinsam mit seinem Blindenhund ein normales Leben zu führen.
  • Eine Situation in einer Bahn macht ihn fassungslos – Über Twitter richtet er einen Appell an die Menschen.

Frankfurt/London – Schnelles Anfahren, abruptes Bremsen und kaum Möglichkeiten, sich festzuhalten: Das Stehen in einer prall gefüllten Bahn, ist wahrlich für niemanden angenehm. Kaum vorstellbar, wie es sich anfühlen muss, wenn man dabei nicht einmal etwas sehen kann. Ein ehemaliger Arzt hat das in London am eigenen Leib erfahren müssen.

Dr. Amit Patel ist 37 Jahre alt, besitzt eine Hündin namens Kika und ist oft mit den öffentlichen Verkehrsmitteln in der englischen Hauptstadt London unterwegs. Das Besondere: Amit Patel ist blind, Kika ist sein Blindenhund*. Im Jahr 2012 erkrankte der damals praktizierende Arzt an Keratokonus, einer Augenkrankheit, durch die der damals 29-Jährige sein Augenlicht verlor. Heute sieht Patel kaum noch etwas. Er ist auf Hund Kika angewiesen. Mit der Bahn fährt er aber trotzdem noch. Das ist für den Mann nicht immer einfach. Ein Vorfall ist ihm besonders im Gedächtnis geblieben, das berichtet bunte.de.

Ein blinder Mann sucht nach einem Sitzplatz in der Bahn – wenig später ringt er mit den Tränen

Amit Patel erinnert sich an eine Fahrt mit der Bahn vom Stadtteil New Eltham im Südosten von London zum Bahnhof Waterloo East, von der er auf seinem Twitter-Kanal berichtete. Laut eigener Aussage regnete es draußen in Strömen. In weiser Voraussicht ging Patel mit Hündin Kika bis ans Ende des Bahnsteigs, um direkt in das Behindertenabteil einzusteigen. Doch was er nach dem Einsteigen in den Zug erlebte, machte ihn „fassunglos“, wie er bei Twitter schrieb.

Grad der Sehbehinderung Häufigkeit (laut DBSV gesicherte untere Grenze)
blinde Menschen76.740 Menschen in Deutschland
hochgradig sehbehinderte Menschen51.094 Menschen in Deutschland
sehbehinderte Menschen452.930 Menschen in Deutschland
Quelle: Statistisches Bundesamt

In der Bahn angekommen sagte er seiner Hündin das Kommando „Suche einen Sitz“. Doch keine der sitzenden Passagiere in dem Zug machte Anstalten aufzustehen und dem blinden Mann seinen Sitzplatz zu überlassen. Also stellte sich Amit Patel mit dem Rücken an die Türen. Immer in Sorge, auf dem nassen, rutschigen Boden den Halt zu verlieren und zu stürzen. Und auch Kika rutsche auf dem regennassen Boden hin und her. Dadurch, dass er spürt, dass auch Kika unter der Situation leidet, ringt der Mann mit den Tränen.

Twitter-Account von Blindenhund Kika: Ein Appel für mehr Rücksicht auf Mitmenschen und Tiere

Auf Twitter gibt der 37-Jährige zu Bedenken, dass solche Situationen aber auch für Hündin Kika nicht leicht seien. „Für sie ist es harte Arbeit ihr Herrchen zu geleiten“, schreibt der ehemalige Arzt aus London. „Sie passt jeden Tag auf mich auf und ich fühle mich hilflos.“ Diese beschriebene Hilflosigkeit sei für ihn vor allem dann schlimm, wenn Hündin Kika darunter leiden muss.

Dank Kika versucht Amit Patel trotz seiner Sehbehinderung ein relativ normales Leben zu führen. Doch Vorfälle, wie der in der Bahn, haben ihn dazu veranlasst auf die Situation vieler Menschen mit Behinderung aufmerksam zu machen. „Ich habe es satt, ignoriert zu werden“, sagte er gegenüber der „Mail Online“. Gemeinsam mit seiner Frau hat sich Patel daher dazu entschieden, einen Twitter-Account für Hund Kika einzurichten. Kika trägt daher bei Ausflügen und Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmittel häufig eine Action-Cam, um die Erlebnisse der beiden mit der Welt zu teilen.

Gemeinsam mit seiner Blindenhündin macht Amit Patel auf Missstände aufmerksam

Über Kikas Twitter-Kanal richtet Familie Patel somit einen Appell an alle, rücksichtsvoller mit ihren Mitmenschen und Tieren umzugehen – insbesondere mit Menschen mit Behinderungen*. Neben Situationen wie in der Bahn, käme es immer wieder vor, dass er und Kika weggeschubst und mit Schirmen oder Taschen gehauen werden.

Gemeinsam mit seiner Frau und seinem Hund verfolgt ausgerechnet der blinde Mann den großen Wunsch, den Menschen die Augen zu öffnen und auf diese Missstände aufmerksam zu machen. Denn klar ist: Viele Dinge aus dem alltäglichen Leben, nicht nur das Fahren mit der Bahn, stellen Menschen mit Behinderungen tagtäglich vor große Probleme. (Yannick Wenig) *fnp.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Netzwerks.

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