Tatort-Kritik: Stapeltassen aus der Jugendherberge

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Der Chauffeur als Beichtvater: Felix Klare (r.) und Otto Mellies im Stuttgarter „Tatort“.

Stuttgart - Die Schüsse galten doch dem Chauffeur und nicht seinem Chef! Diese Pointe ist einer der wenigen Goldränder auf diesem Krimi, der ansonsten viel Gebrauchsporzellan bietet.

In „Scherbenhaufen“, dem neuesten Fall der Stuttgarter ARD-„Tatort“-Kommissare Lannert und Bootz, geht es um rivalisierende Brüder, um einen Firmenpatriarchen, der um die Früchte seiner Arbeit fürchtet, um den gnadenlosen Konkurrenzkampf in Zeiten der Globalisierung.

Ein gutes Sujet, aus dem Eva und Volker A. Zahn aber leider etwas fabriziert haben, was oft anmutet wie Stapeltassen aus der Jugendherberge. Man fragt sich, warum die eines Attentats auf ihren Vater verdächtigen Söhne ihren Streit um die Zukunft des Betriebes ausgerechnet vor Kommissar Lannert (Richy Müller) austragen. Oder warum es nichts weniger als ein Jaguar sein muss, der dem Zuschauer signalisieren soll, dass hier jemand auf dubiose Weise zu Geld gekommen ist.

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Die Zahns und Regisseur Johannes Grieser arbeiten viel zu oft mit dem Holzhammer, wenn feineres Werkzeug gefragt wäre. Wieviel mehr Spannung hätte sich erzielen lassen, wenn der alte Imberger misstrauischer gewesen wäre gegenüber seinem neuen Fahrer (Felix Klare als undercover ermittelnder Kommissar Bootz)! Doch der „Diener“ avanciert zum Beichtvater seines Herrn, ohne dass dieser (und sein Umfeld) auch nur eine Sekunde stutzig wird.

Bei so wenig Sinn für dramaturgische Feinarbeit wundert es nicht, dass auch die Auflösung des Falles, das freiwillige Geständnis des Täters (natürlich mit Waffe in der Hand) wirkt wie aus dem Resteregal. So vermögen nur die Schauspielerleistungen (vielschichtig Otto Mellies als Seniorchef) diese Episode vor dem totalen Bruch zu retten.

Rudolf Ogiermann

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