Maybrit Illner, ZDF

Urlaub während der Corona-Krise: „Paddelboot statt Kreuzfahrtschiff“

Maybrit Illner fragt: „Reise ins Ungewisse – wie gefährlich wird der Urlaub?“
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Maybrit Illner fragt: „Reise ins Ungewisse – wie gefährlich wird der Urlaub?“

Maybrit Illner fragte nach der Lieblingstätigkeit der Deutschen: „Reise ins Ungewisse – wie gefährlich wird der Urlaub?“

  • Maybrit Illner spricht in ihrem ZDF*-Talk über Urlaub in Corona-Zeiten*.
  • Zu Gast: Katja Kipping, Jonas Schmidt-Chanasit, Armin Laschet, Reinhold Messner und Marija Linnhoff.
  • In der Runde herrscht weitgehend Einigkeit, was die Frage nach dem Urlaub* angeht.

Berlin - Der Sommer steht vor der Tür – aber das Coronavirus ist schon drinnen. Und will uns doch tatsächlich die „schönsten Wochen des Jahres“ vermiesen. Was tun? Gar nicht erst ignorieren, die Gefahr, und ab ins Grüne (wahlweise Blaue)? Der Feiertag vergangene Woche gab bei schönstem Ausflugswetter schon mal einen Vorgeschmack auf den Trubel, wenn die Ferien beginnen. Es werden sich wohl nicht viele von der Dramatik abschrecken lassen, die Maybrit Illner im Thema ihrer Sendung formulierte: „Reise ins Ungewisse – wie gefährlich wird der Urlaub?“ 

ZDF-Talk: Maybrit Illner spricht mit ihren Gästen über Urlaub in Corona-Zeiten 

Die Antwort der Gäste war eindeutig: Nicht gefährlich – wenn alle schön aufpassen, keine Massenbuffets, keinen Ballermann aufsuchen, keine Gelegenheiten für einen „Superspreader“ schaffen, wie Virologe Jonas Schmidt-Chanasit formulierte, in Anspielung auf Versammlungen, bei denen sich viele Teilnehmer angesteckt hatten.

Optimismus herrschte in der Runde, was Gegenwart und Zukunft im Umgang mit Corona angeht. Armin Laschet, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, wollte „den Menschen auch etwas zutrauen“. Katja Kipping, Co-Chefin der Linken, nahm zunächst ihren Parteifreund Bodo Ramelow, Landesvater in Thüringen, in Schutz, der mit allgemeinen Lockerungen vorgeprescht war, und bekam Unterstützung von Schmidt-Chanasit. Kipping nannte es einen „Erfolg der Vorsicht von Millionen“, wenn es keine zweite Welle im Herbst geben sollte.

Reinhold Messner singt im Illner-Talk zu Urlaub in Corona-Zeiten das Hohelied auf Deutschland 

Dafür müsse Europa gemeinsam handeln, was die Reisezeit angeht, war der Tenor. Laschet („ich war immer gegen Grenzschließungen“) forderte eine europäische Lösung spätestens bis Mitte Juni. Und sah Deutschland dabei als Vorbild. Schmidt-Chanasit nahm die Debatte zum Anlass dafür zu werben, dass die Europäische Seuchenschutzbehörde gestärkt werden müsse. 

Anfangs habe Europa allerdings nicht gemeinsam gehandelt, urteilte Bergsteigerlegende Reinhold Messner. Er hofft auf eine Rückkehr zu Schengen, denn ohne die Bedingung der offenen Grenzen könne die Urlaubsregion Südtirol nicht überleben. Und außer der Reklame für seine Museen sang er auch gleich noch das Hohelied auf Deutschland, das „beliebteste Land der Welt zur Zeit“. 

Illner-Talk im ZDF über Urlaub in Corona-Zeiten: Konkurrenz belebt das Geschäft des Tourismus

Auf Illners Frage, ob wir uns nicht unbeliebt gemacht hätten in Italien, fand der greise Bergfex ein Argument, das sowohl Touristen wie auch Veranstaltern gelegen kommen dürfte: Es sei ein Zeichen der Solidarität, wenn Deutsche nach Italien reisten. Bekanntlich weigert sich Österreich noch, Reisende aus dem südlichen Nachbarland die Grenze passieren zu lassen – dafür musste sich die Wiener Regierung von Bayerns Landeschef Markus Söder anhören: Wer Österreich genießen wolle, könne das auch in Bayern tun... 

Konkurrenz belebt eben auch das Geschäft des Tourismus – obwohl das arg darnieder liegt, wie Marija Linnhoff ausführte, die Vorsitzende des Verbands unabhängiger selbständiger Reisebüros. Es herrsche große Verunsicherung, auch wegen der uneinheitlichen Vorgehensweise der Bundesländer. Deshalb müssen nun auf europäischer Ebene umso dringender einheitliche Bestimmungen her. 

Im Illner-Talk wird zumindest klar: Der Urlaub in Corona-Zeiten wird anders sein als gewohnt

Die elftausend Reisebüros im Lande hofften auf Unterstützung, die Laschet zumindest mit einem Verweis auf Wirtschaftsminister Altmaier zumindest andeutete. Er zeigte Verständnis für die Bedeutung der Reisebüros, denn persönliche Beratung sei „wichtiger als zuvor“. Katja Kipping stimmte zu, sie sei für ein Überbrückungsgeld für Kleinstunternehmen. 

Wie wird er, der Urlaub, fragte Maybrit Illner gegen Ende dieser Sendung, die von ihrer konkreten Problem-Ansprache her auch bei Frank Plasberg hätte laufen können. Anders wird er, der Urlaub, versicherte Linnhoff. Katja Kipping hob hervor, dass sich viele Menschen infolge von Kurzarbeit oder anderer finanzieller Bedrängnis bescheiden müssten, wenngleich ihre Alternative „Paddelboot statt Kreuzfahrtschiff“ für die wenigsten zutreffen dürfte.

ZDF-Talk Maybrit Illner: Die Reiseweltmeister machen wieder Urlaub – auch in der Corona-Krise

Maybrit Illner, ZDF, von Donnerstag, 28. Mai, 22.15 Uhr, Mediathek

Aber wenn die Reiseweltmeister wieder unterwegs sind, werden sie Massen meiden müssen, vielleicht eine Ampel am Strand in Portugal vorfinden, vielleicht die Bedienung im Restaurant bitten, die Tische noch mal abzuwischen, vielleicht geschlossene Diskotheken vorfinden. Und was Corona angeht: Der Virologe in der Runde wies darauf hin, dass es ja eine „reisemedizinische Beratung“ gebe ...

Und wo fahren sie hin, die Gäste von Maybrit Illner? Wer sonst viel reisen muss, bleibt zuhause, Armin Laschet fährt an den Bodensee, und Reinhold Messner ist sowieso lebenslang im Urlaub ...

Von Daland Segler

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