TV-Kritik

Maybrit Illner im ZDF zu Corona: Der wahre Notstand - Eine Krankenschwester gibt Einblick

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Krankenschwester Yvonne Falckner war bei Maybrit Illner zu Gast.

Die Coronakrise hat Deutschland fest im Griff: Eine Krankenschwester gibt bei Maybrit Illners Talkshow einen Einblick in die Wirklichkeit.

  • Maybrit Illner spricht mit ihren Gäste über das Coronavirus Sars-CoV-2*
  • Es geht um Versäumnisse und Mängel, letztere vor allem an Material und Personal
  • Großhändler für Hygieneartikel erhebt Vorwürfe gegen Gesundheitsminister Jens Spahn

Irgendwann hielt sie dann einfach das Papier hoch: „Petition: Change.org/Pflegeaufruf“ stand auf dem Blatt. Zu dieser Aktion sah sich KrankenschwesterYvonne Falckner gezwungen, weil sie das Gefühl hat, dass ihr Berufsstand als „Kanonenfutter“ betrachtet wird in der aktuellen Coronakrise. Es sei an der Zeit zu erkennen, dass die Pflege „ein Fundament der Gesellschaft“ ist. Natürlich, da hingen Transparente mit Lob für die Ärzte, Schwestern und Pfleger, da applaudierten ihnen welche auf Balkons. Schön und gut, aber: Besser wäre es, sie würden mehr Lohn fordern, so die Schwester, die mit leichtem Sarkasmus feststellte: Vor Wochen seien sie noch „empathisch“ gewesen, nun aber „systemrelevant“ – ein bislang allerdings folgenlos gebliebener Fortschritt ...

TV-Talk zum Kampf gegen Corona: Es herrscht Notstand an Gerät, Schutzmasken und Pflegekräften

„Kampf gegen Corona - genug Geld, genug Kraft, genug Zeit?“ lautete das Thema bei Illner diesmal, und es ging um Versäumnisse und Mängel, letztere vor allem an Material und Personal. Denn Geld scheint ja aktuell für vieles vorhanden zu sein, aber es herrscht dennoch akuter Notstand: an Gerät und Schutzmasken zum einen, und an Pflegekräften zum anderen. Deren Zahl hat in den vergangenen Jahren signifikant abgenommen: Vor allem die miese Bezahlung habe die Kolleg*innen aus dem Job getrieben, berichtete Falckner. Das ist auch in Talkshows wie dieser immer wieder mal berichtet worden. Aber ohne Konsequenzen.

Die Tarifverhandlungen seien enttäuschend verlaufen, formulierte Karl Lauterbach, Gesundheitsexperte der SPD. Er schlug deshalb einen Pauschal-Zuschlag von „mehreren hundert Euro“ für Pflegekräfte vor. Dann würden, so Falckner, so einige zurückkommen. Lauterbachs Kollege von der FDP, Andrew Ullmann, hatte Bedenken wegen der „Tarifpartnerschaft“. Aber die hatte ja eben nicht funktioniert ... 

TV-Talk zum Kampf gegen Corona: Engpass bei der Ausrüstung für das Pflegepersonal

Der zweite große Engpass im Bemühen, die Pandemie einzudämmen, besteht bei der Ausrüstung für das Pflegepersonal. Dabei erhobAchim Theiler, Hersteller und Großhändler für Hygieneartikel, Mundschutz und Atemschutzmasken, Vorwürfe gegen Gesundheitsminister Jens Spahn. Er habe dem schon am 5. Februar einen Brief geschrieben und danach, weil ohne Antwort, noch einmal eine Mail, mit dem selben Ergebnis. Es sei „nicht nachzuvollziehen, dass wir so schlecht vorbereitet sind.“ Dabei habe man sechs Wochen Zeit gehabt. Nun habe man es mit dem 20-fachen Einkaufspreis bei Masken aus Asien zu tun. Lauterbach forderte deshalb, dass heimische Firmen in das Geschäft einsteigen – mit Hinweis auf das nationale Interesse. Denn wenn die sich in den USA abzeichnende Katastrophe eintrete, würden die Amerikaner „den Markt leer kaufen“. 

Informativ war diese Sendung auch mit Hinblick auf ein weiteres Versäumnis: Bereits im Januar 2013 (!) hat es eine Risiko-Analyse des Robert-Koch-Instituts gegeben über die Folgen einer Coronavirus-Epidemie in Deutschland – ohne irgendwelche Reaktionen seitens der Politik. Da habe es keine Zuständigkeit gegeben, erklärte Lauterbach. Pech aber auch. 

TV-Talk zum Kampf gegen Corona: Eine Herden-Immunität zu schaffen sei „unethisch“

Maybrit Illner, ZDF, von Donnerstag, 26. März, 22.30 Uhr.  Mediathek

Offenbar frei von Skrupeln über das Versagen von Politikern in der Vergangenheit preschen nun schon wieder einige vor. Obwohl nach allgemeiner Einschätzung der Fachleute das Schlimmste noch bevorsteht, wollen Parlamentarier wie FDP-Chef Christian Lindner oder Carsten Linnemann, stellvertretender Vorsitzender der Unionsfraktion, darüber diskutieren, wie der Wirtschaft nach der Krise wieder auf die Beine zu helfen sei. Dabei geht Linnemann so weit, einen Termin zu nennen. Schon nach Ostern soll der Stillstand der Wirtschaft wieder beendet werden. Lauterbach wie Ullmann finden jedoch die aktuellen Maßnahmen angemessen. Für eine Änderung brauche man wissenschaftlichen Rat, so der SPD-Mann. 

Sandra Ciesek, Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt, verwies ebenfalls darauf, man müsse erst einmal sehen, „ob sich die Fallzahlen stabilisieren“. Lauterbach, der auch Arzt und dafür ist, die Infektionszahlen so niedrig wie möglich zu halten, findet die Debatte denn auch „völlig fehl am Platz“. Die Virologin ist der gleichen Auffassung. Eine Herden-Immunität zu schaffen (wie es die Briten anfangs vorhatten), sei „unethisch“. Und ob Lindner und Linnemann bei ihrem Vorstoß für das Aufpäppeln der „Wirtschaft“ auch an die dann sicherlich steigende Belastung der Pflegekräfte gedacht haben, darf bezweifelt werden.

Von Daland Segler 

Die letzte Episode der Reihe „Unter Verdacht“ im ZDF ist ein eher stiller Krimi, beschert Senta Berger aber trotzdem einen Abgang in Würde.

*fr.de ist Zeil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

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