Haften Eltern wirklich immer für ihre Eltern?

„Einspruch!“ - Die neue Show der Rechtsirrtümer

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„Es geistern eine Menge Rechts­mythen herum, die nichts mit der juristischen Wirklichkeit zu tun haben“, sagt der Kölner Rechtsanwalts Dr. Ralf Höcker.

Muss ein Steak im Restaurant genauso viel wiegen wie auf der Karte angegeben? Darf man mit Handtüchern Liegestühle besetzen?

Um solche alltäg­lichen Rechtsfragen geht es in der neuen RTL-Sendung „Einspruch! Die Show der Rechtsirrtümer“. Die zunächst einmalige Show basiert auf einem Bühnenprogramm des Kölner Rechtsanwalts Dr. Ralf Höcker (38), der mit ­seinem Lexikon der Rechtsirrtümer zu einem erfolgreichen Sachbuchautor geworden ist. Andrea Kiewel, die am  Mittwoch ihren 44. Geburtstag feiert, ­moderiert, Daniel ­Hartwig kämpft sich als Außen­reporter durch den ­Paragrafendschungel, und Dr. Ralf Höcker fungiert als ­Experte im Studio.

Herr Höcker, Sie haben mittlerweile drei „Lexika der Rechtsirrtümer“ verfasst. Wie kam es dazu?

Ralf Höcker: Es geistern eine Menge Rechts­mythen herum, die nichts mit der juristischen Wirklichkeit zu tun haben. Allein diese Schilder wie „Eltern haften für ihre Kinder“ oder „Für Garderobe wird nicht gehaftet“! Mit dieser ­Wissenslücke in der Bevölkerung wollte ich aufräumen, und zwar auf unterhalt­same Weise. Diese Idee liegt jetzt auch der Sendung zugrunde.

Wie verhält es sich denn wirklich mit der Elternhaftung und der Garderobe?

Höcker: Wenn ein Sechsjähriger irgendwo etwas kaputt macht und die Eltern nicht gerade ihre Aufsichtspflicht verletzt haben, müssen weder das Kind noch die Eltern den Schaden bezahlen, sondern dann hat der Geschädigte halt Pech gehabt. Und die Garderobenschilder sind zu 95 Prozent Blödsinn. Ein Theater haftet für abgegebene Garderobe, ­genauso der Gastwirt. Einzige Ausnahme: wenn es in der Gaststätte zwei Garderoben gibt und der Gast seine Jacke ins hintere Eck hängt, obwohl er sie auch näher an seinem Platz aufhängen könnte.

Sie haben auch das „Lexikon der kuriosen Rechtsfälle“ geschrieben. Verraten Sie uns Ihren Lieblingsfall?

Höcker: Einem Flugzeug ist beim Start eine Zuchttaube ins Triebwerk geflogen. Das Triebwerk war kaputt, und es stellte sich die Frage: Wer bezahlt den Schaden? Ein deutsches Gericht ist zu dem nur scheinbar salomonischen Urteil gekommen, dass jede Partei die Hälfte des Schadens der jeweils anderen Seite trägt. So musste der Taubenzüchter das halbe Triebwerk bezahlen und die Fluggesellschaft die halbe Taube.

Ihre Sendung zeigt, dass ­unser Recht überraschend verbraucherfreundlich ist. Unter gewissen Umständen kann man ja sogar gebrauchte Unterwäsche umtauschen!

Höcker: Natürlich bringen wir in erster Linie Themen, die den Verbrauchern Rechte aufzeigen, von denen sie noch nichts wussten. Es gibt jedoch auch Rechtsirrtümer in die andere Richtung. So glauben viele Verbraucher, sie hätten pauschal ein zweiwöchiges Umtauschrecht. Wenn Geschäfte das einräumen, tun sie das rein freiwillig. Ein Recht darauf hat man lediglich beim Einkaufen im Internet.

Wie kulant sind denn die Händler in Deutschland?

Höcker: Da gibt es die komplette Bandbreite. Ich habe Händler erlebt, die einem Rechte einräumen, die man nach dem ­Gesetz im Leben nicht hätte. Und es gibt umgekehrt Verkäufer, die sich mit jeder blöden Ausrede um Reklamationen drücken. Als ich mal einen Drucker reklamiert habe, wollte der Verkäufer das ­Gerät einschicken, was Wochen gedauert hätte. Ich kannte aber die Rechtslage und habe darauf bestanden, sofort ein Austauschgerät zu bekommen. Daraufhin rief er bei seiner Rechtsabteilung an – und die hat mich bestätigt.

Durch Ihre Bücher ziehen Sie sich wohl den Unmut des Handels zu, oder nicht?

Höcker: Ich kriege in der Tat einige böse Briefe, was ich den Leuten für Flöhe ins Ohr setze. Aber da kann ich immer nur sagen: Ich mache das Recht nicht; ich sage den Leuten nur, wie das Recht ist.

Wohin können sich Verbraucher ­wenden, wenn sie sich über ihre Rechte informieren oder ihr Recht durchsetzen möchten?

Höcker: Viele Menschen scheuen davor zurück, zum Anwalt zu gehen. Aber dank der Gebührensätze, die sich nach dem Streitwert richten, ist das gar nicht so ­teuer. Eine Beratung bei den Verbraucherzentralen kostet ebenfalls eine Gebühr. Wem das zu teuer ist, der muss selbst recherchieren, etwa im Internet oder in meinen Büchern.

Interview: IW.

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